„Ich hätt gern ne Latte!“

Jedesmal, wenn ich im Café oder Restaurant höre, wie ein Mann diese Bestellung aufgibt, muss ich mir kräftig das Lachen verbeißen, my darlings. Und ich verkneife mir, ihm zu raten, es doch einfach mal mit Viagra zu versuchen.

Aaalso *Lehrerinnenbrille aufsetz* :

Mit der Bestellung „ne Latte“ ist wohl in den meisten Fällen ein (Nein, nicht: eine!) Latte Macchiato gemeint. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name „befleckte Milch“, denn es handelt sich, wenn korrekt zubereitet, um geschäumte Milch mit einem Schuß Espresso.

Während das Wort „Latte“ im Deutschen feminin ist, also durchaus „die“ Latte heißt (egal, ob Zaunlatte, Dachlatte oder die vom Sprecher nach Freud’scher Manier vermutlich unbewußt herbeigesehnte Erektion), so ist im Italienischen die Milch männlich und heißt „il latte“, also „der Milch“. (Das ist für uns Deutsche anfangs etwas komisch). Daher ist „der Milch“ auch dann männlich, wenn er geschäumt und mit einem Schuß Espresso aufgepeppt ist, dann ist er „Un latte macchiato“. Wäre die Milch im Italienischen auch weiblich, hieße das wunderbare Getränk „Una latte macchiata.

Also, liebe Männer: es ist legitim, euch eine Erektion zu wünschen, aber im Café/Restaurant dürft ihr gern „einen Latte“ bestellen. (Nein, nicht „Matschiato! – dazu hat Uli Stein mal einen wunderbaren Cartoon gezeichnet…).

So, jetzt habe ich mir selbst Lust auf so einen wundervollen Lebensretter gemacht

(ab in Richtung Espressomaschinchen).   😀 😀

Frau Lakritze entdeckt eine Marktlücke

Vor einigen Jahren, als Frau… äh…  Mutti noch ihr früheres Blog bebloggte, regte sie sich einmal sehr über Eltern auf, die im  Gespräch ständig Verniedlichungen benutzen, zum Beispiel „Kindi“ für Kindergarten oder „Konfi“ für Konfirmation.  Mich hat der Beitrag damals sehr zum Lachen gebracht, aber ich stimmte ihr zu, daß das gräßlich sei, und seitdem fällt mir so etwas auch ständig unangenehm auf. So traf mich beinahe der Schlag, als meine süße kleine Nichte mir kürzlich  erklärte: “Das haben wir im Kindi gemacht.“ Sie geht in einen Waldkindergarten. Mein Bruder sagte mir dazu: “Wir sagen nicht „im Kindi“, sondern meist „im Wald“.

Als der Prinz und ich kürzlich unsere paar Tage als Haushüter dort verbrachten, sah ich im Hausflur eine schicke Kinderhose hängen, die mich an eine Wathose für Angler erinnerte, wasserdicht und ganz sicher schlammabweisend. Der Prinz dachte sich gleich, daß das wohl, wie er sagte, „Waldkindergarten-Outfit“ sei.

Ich hatte gar nicht gewußt, daß es so etwas gibt – aber da ich keine Kinder habe, komme ich mit solchen Themen auch gar nicht in Berührung.  Ich bin auf diesem Gebiet wirklich völ-lig ahnungslos.

Aber „Waldkindergarten-Outfit“ – das gefiel mir. „Cool“, sagte ich zum Prinzen. „Sowas würde ich gern entwerfen. Das macht bestimmt Spaß.“ „Joh, sagte der Prinz, „es könnte eventuell eine Marktlücke sein – mach einen Laden auf!“

„Genaaaaauuuu“, sagte ich, und weißt du, wie ich den Laden dann nenne?!“

„Na, wie?“ fragte der Prinz grinsend.

Waldi-Kindi-Shoppi !!!“

(Ich bin so gemein.)

PS: Habe den Prinzen gerade nochmal gefragt – man nennt das wohl „Buddelhose“.

Kopf –> Tisch

Lidl hatte den bevorstehenden Fußball-Horror im Werbeprospekt tatsächlich beworben mit dem Spruch Celebrate Football! Doch, ehrlich. Der Prinz zeigte es mir und hielt mir gleichzeitig Riechsalz unter die Nase 😀

Inzwischen hat jemand offenbar die Firmenleitung auf ihre Peinlichkeit aufmerksam gemacht, denn zumindest von ihrer Webseite haben sie diese Katastrophe entfernt. Die Prospekte lagen der Tageszeitung bei, die können sie nicht mehr zurückholen. Selbst schuld – so etwas läßt man auch vorher durchsehen! ( Leider kein Foto – der Prospekt ist wohl schon im  Papiermüll, sorry!)

Gnade! Habt Mitleid!

Liebe Schwarzer/Innen,

ich gebe mir ja Mühe, euch und eure ständige Sprachvergewaltigung zu ignorieren, aber ich muss mir jetzt so langsam eingestehen, daß ich an meine Grenzen geraten bin. Es tut einfach weh, euren bullshit lesen zu müssen, und ich bitte euch von Herzen: lernt Englisch! BITTE!

Es ist nun einmal so, daß die englische Sprache Bezeichnungen für Tätigkeiten bzw. Berufe hat, die mit der von euch gehaßten Buchstabenkombination “er“ enden – und die dennoch geschlechtsneutral sind. Tut mir leid, aber das ist nun mal so.

Ich geb‘ euch mal einige Beispiele, ja? Hier:

  • Manager:

kann ein Mann, aber auch eine Frau sein – da müßt ihr nicht gewaltsam eine Managerin draus machen, das ist einfach nur dumm und peinlich.

  • Officer:

auch diesen Beruf können Frauen ebenso wie Männer ergreifen, die Frauen heißen dann nicht Officerin.

 

  • Ein cheerleader,

das ist im amerikanischen „Englisch“ klar, ist ein pubertierendes Mädchen, das tanzend und hüpfend seine Sportmannschaft anfeuert (meist im football). Richtig, so etwas ist im deutschen Sport nicht so üblich und bekannt, aber deswegen dürft ihr die Mädchen, wenn ihr über sie berichtet, trotzdem einfach als „cheerleader“ bezeichnen und müßt euch keinen abbrechen mit „ Cheerleaderin“. Keine Bange, die meisten Deutschen dürften wissen, was ein cheerleader ist und was sie tut.

(Vor allem ist sie ein Teenager und keine Teenagerin.)

 

Anlaß für dieses Flehen: Der peinliche Ausdruck Speakerin (!), den ich zufällig auf Twitter las.

Es ist da!

Der Prinz ist glücklich. Sein Aquapac ist da. (Gestern habe ich falsch „Aquapack“ geschrieben. Sorry.) Der Test – zumindest der Trockentest – verlief prima. Auch durch die Folie hindurch  versteht man den aufgenommenen Text super, sehr deutlich. Ich bin mal sehr gespannt, wie es sich anhört, wenn er unter der laufenden Dusche  aufzeichnet, ob sich das dann anhört wie unter einem Wasserfall? Reporter Harry Hirsch wird berichten 😀

aquapac

Standard vs.simplified English

Ich mag Ellen Degeneres. Sehr. Sie ist lustig und – was ich sehr schätze – sie liebt es, sich selbst gründlich durch den Kakao zu ziehen.   Bei aller Sympathie; ich habe oft Probleme, sie zu verstehen, weil sie ja nur Amerikanisch sprechen kann, also simplified English. Dennoch schaue ich mir auf Juhtjuhp gern Ausschnitte aus ihrer Show an, wenn sie interessante Gäste hat. So fand ich diesen Ausschnitt, der zeigt, wie sie mit Hugh Laurie umgangssprachliche Redewendungen beider Sprachen austauscht, während beide zu erraten suchen, was gemeint sein könnte. Es ist wirklich lustig, und ich habe noch einiges dabei gelernt. ( Ba-donka-donk!!! 😀 )

Übrigens, eine Anmerkung für Laurie-Fans: in seiner Rolle als Dr. Greg House spricht er mit einem angelernten amerikanischen Akzent, da er schon lange in den USA lebt ( wie man sich das als Engländer antun kann, muß ich nicht verstehen , ich akzeptiere es einfach, oder, wie Oma immer sagte: Jedem Dierken sin Pläsierken“!

Des is mer ned worschd!

Hier ist was Leckeres für

  1. Anna, mein Oldenburger Enti <3 und
  2. b) meine herzensliebste Freundesgang da oben bei Hannover (falls ihr gerade online sein solltet)
    Es ist noch mal ein Auftritt von Bülent Ceylan, und es geht um Dialekt (Anna: und die Haaaare!!!)
    Neben herzhaftem Lachen habe ich mich beim Zuhören daran erinnert, wie das für mich war, als ich vor 33 Jahren vom tiefsten Ruhrpott in die Pfalz zog. Das Heimweh war schlimm, verschlimmert wurde es dadurch, dass ich kein Wort verstand von dem, was die Leute hier redeten. Die Aussprache verwirrte, die Grammatik entsetzte mich. Heute verstehe ich alles, ich kann mich sogar selbst einigermaßen im Dialekt ausdrücken. Ich habe den Dialekt, die Landschaft und die (meisten) Menschen hier liebgewonnen.

Nun ist Bülent Ceylan kein Pfälzer, sondern Kurpfälzer. Er stammt aus Mannheim („Monnem“), einer Stadt, in der ich 15 Jahre lang gearbeitet habe und die ich sehr gern mag. Deswegen verstehe ich ihn auch ohne Probleme, wenn er mitten im Programm in seine Heimatsprache fällt.
Als ich hierher zog, 1982 war das, da hörte ich oft: “Aus dem Ruhrgebiet kommen Sie?! Ach Gott, Sie Arme – da sind Sie bestimmt froh, dass Sie jetzt hier leben, gell?“
Ich fand recht schnell heraus, woher dieses Mitleid stammte: Damals liefen die „Schimanski-Tatorte“, die fast ausnahmslos an dunklen, regenverhangenen Tagen oder in der Dämmerung im Duisburger Hafen gedreht worden waren. Und nun glaubten alle Pfälzer, die den „Tatort“ schauten, das Ruhrgebiet sei das, was sie da auf ihren Fernsehschirmen sahen. Meine Erklärungen, dass das Ruhrgebiet auch sehr schöne Naherholungsgebiete mit Wäldern und Wiesen habe und überhaupt eine richtig tolle Gegend sei, nahmen sie mit erheitertem Unglauben auf.
Umso mehr hab ich diesen Auftritt von Bülent Ceylan genossen, in dem er (einem Hannoveraner!)  den Monnemer Dialekt erklärt. Habt Spaß!

Woihnachde

Na, wie war euer Heiliger Abend?

Hier bei uns war es sehr gemütlich, kuschelig und erfreulich!

 

Der Prinz hat mir einen Herzenswunsch erfüllt, hier:

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Wer weiß, was das ist?   : – ))) (Hinweis: es hat mit der Zahl „Zehn“ zu tun *breit grins*

Zudem habe auch ich mir selbst einen Herzenswunsch erfüllt, nämlich hiermit. Der Prinz hat superlecker thailändisch gekocht ( mit viel cremiger Kokosmilch, OMNOMNOM ) und wir haben gute zwei Stunden mit dieser ungeheuer faszinierenden BBC-Doku über Sprache verbracht. Denn: 2014 war nicht nur ein mieses Jahr, in dem ich mich über eine kleine, lästige Nervensäge ärgern musste, sondern es hat mir eine neue große literarische Liebe beschert: Stephen Fry. Fry, Journalist, Linguist, TV-Moderator, Schriftsteller und vor allem: Brite! ; – )) schreibt so, dass mir die Worte fehlen, es zu beschreiben. Kurz: ich liebe ihn. *bfg* Habe in den letzten Wochen alle seine Bücher gelesen, und oh Lordy, wie sich das lohnt!

Übrigens: Wer Stephens Bücher lieber auf Deutsch lesen möchte, sollte darauf achten, dass die Übersetzung von Ulrike Blumenberg ist – die Frau ist ganz prima und fängt Frys schrägen, abgedrehten Stil großartig ein.

In dieser BBC-Doku geht Fry Fragen über das Phänomen „Sprache“ nach: Wie entsteht Sprache beim Menschen? Wie lernen wir sie? Wie hängen Sprache und Identität zusammen? Dabei untersucht er auch Sprachen bzw. Dialekte, die vom Aussterben bedroht sind: Das Basque (Baskisch), zum Beispiel (sehr gut zu verstehen – eine wunderschöne, harmonische Mischung aus Französisch und Spanisch) oder das Occitan (auch bekannt unter der Bezeichnung „ProvenÇal“).Zu meiner besonderen Freude wandert er auch einmal kurz durch England, Irland und Schottland und stellt die dortigen Dialekte vor. Das schauten wir bis in den späten Abend, mit Freixenet und Süßkram (gebacken vom Prinzensohn) Heute abend schaue ich allein weiter, im dritten Teil geht es um Sprach-Tabus und darum, wie man mit Sprache manipulieren und anderen Missbrauch treiben kann.

 

Bevor ich wieder nach oben verschwinde: Euch allen ein schönes Rest-Weihnachten und DANKE für eure liebevolle Begleitung durch dieses Jahr, das jetzt zum Glück zu Ende geht… Morgen früh fahren wir nach Oldenburg!

Life of The Dom: jetzt auch in Worms!

Fans der englischen Sprache und der denglischen Komik erinnern sich vielleicht ganz vage an die Bürgerinitiative (BI), die sich in Worms so eifrig dagegen wehrt, dass die Dompfarrei das “Haus am Dom“ bauen will, das unter anderem einen Gemeindesaal und ein Café enthalten soll. Obwohl das Haus längs in der Sichtachse auf den Dom stehen soll, ist die BI aus irgendeinem Grunde davon überzeugt, dass es quer stehen und damit den Blick auf den Dom versperren wird. Verstanden hat diese Logik noch niemand so genau, aber deswegen gibt sich die BI ja auch so viel Mühe, bei den Wormser Bürgern Stimmen gegen den Bau zu sammeln. Ich habe davon schon einmal kurz erzählt, in dem Beitrag „The Dom“.

Vor kurzem hatten sie dazu eine Art Umzug durch die Innenstadt organisiert, bei dem etliche erwachsene Menschen so richtig Krach machen durften, mit Trommeln, Pfeifen, Tuten und allem, was das Herz noch so begehrte. Es war wie ein privater kleiner Karnevals-Umzug, ganz niedlich. Am lustigsten fand ich den Mann, der ein Schild spazieren fuhr, auf dem “Pro domo“ stand (doch, ist echt wahr!) Wenn man nun bedenkt, dass “pro domo“ ganz einfach „für das Haus“ bedeutet, dann scheint es mir, dass sich die BI plötzlich gedreht hat und nun auf einmal für das Haus am Dom ist. Lustig. Sie glauben vermutlich, „domo“ bedeute“Dom“, so wie sie damals glaubten, „ the Dom“ hieße „der Dom“…

Das erinnerte mich gleich an den wunderbaren Monty-Python-Kultfilm „Life of Brian“, in dem es diese schöne Diskussion zum Thema „Haus in der Grammatik“ gibt.
Kurz: Herzlichen Dank, liebe Bürgerinitiative, für die immer wieder gute Unterhaltung und Erheiterung!