Pippi, die Ausbrecherkönigin

Ein kleines special für Renata 😀

Kürzlich hatte ich diesen Bericht angekündigt, darlings; eine Zeit lang hat sich Pippi nebenan im Hof selbst eingesperrt und uns damit halb verrückt gemacht:

Das Häuschen, das gleich neben unserem steht, gehört noch zum ursprünglichen alten Häuserbestand des Dorfes. Es ist ein süßes rotes Backsteinhäuschen mit gemütlicher, heimeliger Ausstrahlung. Die alte Dame, die darin wohnte, starb vor etwa drei Jahren. Wir hatten eine gute Beziehung zu ihr. Im Dorf nannte man sie nur bei ihrem Vornamen, also „die Klara“, oder, im hiesigen Dialekt, „es Klärche“.

Seit sie tot ist, steht das Haus leer. Die Erbengemeinschaft besteht aus einer Gruppe von fünf Geschwistern (Klaras Nichten und Neffen, sie hatte keine eigenen Kinder), die aber nicht alle hier im Dorf leben. Die fünf können sich nicht so recht einigen, was sie mit dem Haus anfangen wollen, zumal es durch und durch feucht ist und das Dach erneuert werden muß. (Ich hatte mal kurz überlegt, es mir als Praxis einzurichten, aber in einem feuchten Altbau hatte ich schon 2006 meine erste Praxis hier, und das hatte zu viele Nachteile, auch für die Klienten, so daß ich froh war, als ich ins Herrnsheimer Schloß umziehen konnte. Zudem ist das Haus sehr winzig, also eher uninteressant für meine verrückten Ideen 😉 ) Der Grundriß sieht dort drüben aus wie bei uns: Kommt man durchs Tor, liegt rechts das Wohnhaus, das die rechte Längsseite des schlauchförmigen Hofes bildet. Bei uns ist die linke Längsseite der frühere Kuhstall (heute Werkstatt), beim Klärche ist das die Rückseite unseres Hauses. Die hinteren Stirnseiten beider Höfe bilden Gebäude, hinter denen Land liegt. Bei uns ist das die Scheune, durch die man in den riesigen Garten unserer Vermieter gelangt. Beim Klärche ist es ein alter Schuppen, hinter dem ein großes Stück Grasland liegt, das hin und wieder als Pferdeweide verpachtet ist. Unser Hof ist unzugänglich, da durch die verschlossene Scheune hinten und das hohe Tor vorn geschützt, aber beim „Klärche-Haus“ kann eine Katze wohl problemlos von hinten durch die Wiesen über das Dach des alten Schuppens in den nachbarlichen Hof kraxeln. Das schaffte bereits im Juni auch unser neugieriges  Pippikind. Der Prinz und ich kamen spätabends von einer Vernissage  zurück, als wir hinter dem Hoftor an Klärchens Haus ein energisches „EO! EO!“ hörten. Das war eindeutig Pippilein, die um Hilfe rief. Unter dem Tor hindurchschlüpfen konnte sie nicht, wie bei unserem Tor, da ist kein Platz. Um das Haus kümmern sich zwei Schwestern, die in der Nähe wohnen. Das sind E., die mir öfter selbst gekochte Marmelade und Gelees bringt, und C., mit der mich eine herzliche Zuneigung verbindet.

Es war uns ein Rätsel, wie Pippi in den Hof gelangt sein konnte. Ich nahm an, daß C. im Haus gewesen war und Pippi versehentlich im Hof eingeschlossen hatte (das Pippikind ist sehr scheu, sie hatte sich wohl gut versteckt gehalten.) An diesem Abend mochte ich C. nicht so spät noch anrufen, sprach also dem Pippilein durch das Tor Trost zu (im Fahrrad-Unterstand ist sie geschützt)  und ging besorgt schlafen. Der nächste Tag war ein Samstag. Gleich nach dem Frühstück rief ich C. an und schilderte ihr die eingesperrte Pippi. C. lachte und sagte nur: „Ich komm‘“. Sie war zwei Minuten später mit dem Fahrrad da und schloß das Tor auf. Heraus schoß ein erleichtertes Pippilein, das bei C.s Anblick vor Schreck fast wieder zurück in den Hof geflitzt wäre – nicht, daß C. so ein schlimmer Mensch wäre – im Gegenteil! -, aber Pippi vermutet bei jedem fremden Menschen, sie könne gleich gefressen werden 😃 Ich war ebenso heilfroh wie mein Pippikind, daß sie wieder zuhause war. C. wehrte meinen Dank erstaunt ab – wie schon erwähnt, ist Nachbarschaftshilfe hier im Dorf eine Selbstverständlichkeit. Nun, das Pippilein war wieder da. Nur flitzte sie am Abend, als wir mit Herrn Sonntag zum Abend-Gassigang den Hof verließen, wieder raus. *seufz* Und richtig: Als wir zurückkehrten, kamen aus dem Nachbarhof die bekannten Rufe. Am nächsten Morgen rief ich C. an, die lachend kurz darauf klingelte. Der Prinz kam dazu, und wir untersuchten zu dritt den Hof, um herauszufinden, wie Pippi da hineingelangen konnte. Der kleine Schuppen zeigte sich als einzige Möglichkeit. Er ist niedrig genug, daß eine Katze von der Rückseite aufs Dach gelangen und vorne in den Hof hinunterspringen kann. Nur: das Dach steht etwas vor, also kann die Katze nicht wieder hinauf… C. schlug vor, Pippi ein Brett an das Dach zu legen, über das sie hinauflaufen könne. Der Prinz fand eins in unserem Hof. Leider ist es aber so dünn, daß es sich durchbiegt und federt, wenn es belastet wird. C. hatte die Idee, es von unten mit der grauen Mülltonne abzustützen, die ja nicht mehr genutzt wird. So bauten C. und der Prinz dem Pippilein einen Fluchtweg.

Prompt verschwand die kleine Fellnase am nächsten Abend wieder. Alles von vorn: EO-EO-Rufe aus dem Hof, ich an unserem Bad-Fenster (das in den Nachbarhof hinausgeht), dem Pippilein zurufend, es solle die Fluchtbrücke benutzen… ich hatte eine unruhige Nacht. Am nächsten Morgen rief ich zögernd C. nochmals an, die sich vor Lachen kaum einkriegte, weil mir das so peinlich war und ich mich dauernd entschuldigte. „Hab‘ dich doch nicht so, ich mach das wirklich gern!“ grinste sie und drückte mich. Pippi schien das mit der Brücke einfach nicht zu kapieren!

Aber: ich bin ja katholisch… und wir Katholiken haben den Vorteil, daß wir einen ganzen Stall voll freundlicher Heiliger haben, die man in den verschiedensten Situationen um Hilfe bitten kann 😃 Für Tiere ist – klar! – Franziskus von Assisi zuständig. Beim nächsten Pippi-Desaster setzte ich mich also mit dem heiligen Franzl in eine ruhige Ecke und bat ihn, dem Pippilein doch mal einen vorsichtigen Schubs auf das Brett hinauf zu geben. Denn der Prinz erklärte strikt, Pippi müsse das jetzt lernen, zumal ich C. bereits fünf Mal alarmiert hatte. Einmal war sogar W. gekommen, C.s Mann, der das Ganze ebenfalls zum Brüllen komisch fand. 😊

Jedenfalls: der heilige Franz scheint dem Pippikind die Lösung gut beigebracht zu haben. Sie verschwand noch einige Male, rief auch aus dem Hof um Hilfe, kam aber immer wieder allein zurück. Inzwischen ist das Ganze zur Routine geworden. Wir schauen regelmäßig nach, ob die Konstruktion noch steht.

(Gedanken am Rande: Es ist schade, daß die Sanierungskosten den Wert des Häuschens weit überschreiten würden, denn ich könnte es mir sehr gut als Praxis vorstellen. Aber das Haus hat seit Dekaden keinen Handwerker mehr gesehen, denn „es Klärche“ war für ihre strenge Sparsamkeit bekannt ;)… Das Haus hat keine Heizung, nur Öfen, und die Stromkabel…uaah, will ich gar nicht wissen…)
Jedenfalls kann unsere kleine schwarze Ausbrecherkönigin dank der „Fluchtbrücke“ jederzeit den Hof über das Schuppendach verlassen und hinten herum über die Wiesen wieder nach Hause kommen. Ich bin wirklich sehr froh über den Zusammenhalt und die Herzlichkeit der Nachbarn hier im Dorf!

Petras Fragen # 14

Heute stellt Petra eine Frage, die ans Eingemachte geht, wie es so schön heißt:

Kennst du deinen größten Kritiker und kannst du dich dem gegenüber behaupten?

Ehrlich gesagt, habe ich zuerst heftig geschluckt und überlegt, ob ich dazu etwas schreibe, weil es ziemlich persönlich werden könnte. Und dann dachte ich „sch*** drauf, es muß ja niemand hier mitlesen.

Also: Ja, ich kenne meinen größten Kritiker: ich bin es selbst. Warum? Ich bin so aufgewachsen, ich kenne es nicht anders. Diesen ständigen inneren Kritiker, dem ich nie gut genug bin und dessentwegen ich mich vieles gar nicht erst traue – den verdanke ich meiner Mutter. Meiner Mutter, die mich während meiner gesamten Kindheit und Jugend klein gehalten, verächtlich gemacht und abgewertet hat. Wichtig war, welches Bild sie nach außen hin abgab, wie die anderen sie sahen. Und da hatte natürlich auch das Kind seinen Teil dazu beizutragen. (Ja, ich weiß: Narzissten sind so, und sie kann nichts für ihre Störung. Aber das rechtfertigt die Gefühlskälte nicht.) Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, daß es keine liebevollen Worte gab, kein „Das hast du gut gemacht“ , geschweige denn ein „Ich hab dich lieb“. Stattdessen prägte sich „Stell dich nicht so an“ tief ein. Stärkung und Selbstwertgefühl gab es nicht, dafür reichlich seelische Wunden durch abfällige und verächtliche Worte. Das ist bis heute so. Daß meine Mutter mit mir praktisch nur per Kritik und Abwertung ( und Prügel)  kommunizierte, hat mich so geprägt, daß ich mich heute eben dauernd selbst kritisiere. (Offenbar ist da ein Teil in mir, der glaubt, das müsse so sein.)

Als ich mit 17 Jahren den späteren Exgatten traf und eine Beziehung mit ihm einging, merkte ich erst Jahre später, in welche Falle ich da gelaufen war. An meinem 21.Geburtstag zog ich mit ihm hierher in diese Region. Mit der Zeit stellte ich fest, daß Gefühle und Zuneigung dem Gatten nicht unbedingt lagen. Ich mußte sie mir „verdienen“, indem ich mich seinen Erwartungen anpaßte. Ich tat es brav, denn das war ich ja durch meine Mutter gewöhnt. Zu denken gab mir das nicht, denn ich hielt das für normal – so war ich schließlich aufgewachsen.

Daher war der Tag der Scheidung auch ein Befreiungsschlag für mich – einer der besten Tage meines Lebens. Der Exgatte ist nämlich, wie meine Mutter, ein Narzisst reinsten Wassers.

Der zweite Teil von Petras Frage lautet “… und kannst du dich dem gegenüber behaupten?“

Ja. Der Prinz hat einiges an „Arbeit“ investiert, um bei mir meine „Take me as I am or watch me as I go“ – Haltung zu stabilisieren. Es ist verrückt, aber ausgerechnet Donald Trump, den ich auf den Tod nicht ausstehen kann, hat bewirkt, daß ich mich mit dem Thema „Narzissmus“ auseinandergesetzt habe.

Leider habe ich dabei auch realisiert, daß ich von meinen 54 Lebensjahren 44 an Narzissten verschwendet habe, 21 an meine Mutter und 23 an den Exgatten (okay – in der Kindheit und Jugend hatte ich keine Wahl und von den 23 Jahren mit dem Ex war ich nur sieben mit ihm verheiratet.) Das ist eine erschreckende Bilanz, die aber durch die 16 wundervollen Jahre mit dem Prinzen ein sehr positives Gegengewicht erhält. Jedenfalls habe ich heute sehr gut verinnerlicht, daß ich nicht auf der Welt bin, um so zu sein, wie andere mich haben wollen. Das hat mich während meines Arbeitslebens zwei Jobs gekostet, weil ich den Chefs zu unbequem war, aber scheiß drauf. Und deswegen betone ich hier auch  immer wieder, daß niemand mein Blog lesen muß, wenn ihr oder ihm meine Texte nicht in den Kram passen. Nicht lernfähige Nörgler habe ich hier gesperrt. Zum Exgatten und zu meiner Mutter habe ich keinen Kontakt mehr. Was Letztere anbelangt, so habe ich kapiert, daß meine Zeit zu kostbar ist, einer Liebe hinterherzulaufen, die ich in diesem Leben nicht mehr bekommen werde. Punkt. Also, ja: Ich kann mich sehr gut behaupten.

Take me as I am or watch me as I go.

Ideen-Sex (Lese-Empfehlung/E)

Na, da bin ich ja mal auf die Anzahl der Klicks für diesen Beitrag gespannt, bei der Überschrift 😀  😀 😀

Seit vier Tagen, my darlings, habe ich ein neues Trainingsprogramm, das mir gut tut und viel Spaß bringt.

Ich verdanke dieses Programm dem Unternehmer, „Selbsthilfe-Guru“  und Autor James Altucher und seinem genialen Buch  „Choose yourself!“, das Tante Amazonien mir für mein Kindle zum Hineinschauen empfohlen hatte. Zum Glück bin ich dem Hinweis gefolgt, denn das Buch ist ein echtes Plus für mich.

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So gibt er zum Beispiel Tipps, wie man in den entscheidenden drei  Lebensbereichen der Gesundheit – physisch, emotional und mental – fit bleiben kann (Kursive Bemerkungen sind meine persönlichen Kommentare):

Versuche, jede Woche um ein Prozent besser zu werden:

  • Physisch:

Gut schlafen

(zum Glück ist das Physio- und Ergo-Training anstrengend für mich, so daß ich abends gut ein- und die Nacht fest durchschlafe.)

Gut essen (najaaa…ich futtere zuviel Süßkram…)

Sport treiben… (Die Reha-Trainingseinheiten powern mir den gesamten Körper durch,  ich mache sie jetzt täglich, obwohl ich nicht der disziplinierteste aller Menschen bin!)

Emotional:

Lasse in deinem Leben nur Menschen zu, die dich lieben, achten und respektieren. Ignoriere die anderen. (In dieser Hinsicht habe ich  dank des Hallamati bereits gründlich ausmisten können, zuerst im Freundes- und Bekanntenkreis („Arschlochfilter“), und jetzt auch in der Familie. Egal wo und wer – Kontakte mit Menschen, die mir nicht gut tun, breche ich rigoros ab.)

Wie James es im Buch erklärt:

When you get in the mud with a pig, the pig gets happy and you get dirty“.

Die großartige Michelle Obama formulierte das einmal so:

When they go low, we go high!“

 

Mental:

Schreibe jeden Tag zehn neue Ideen auf (Egal, ob es blöde oder tolle Ideen sind – schreib sie auf, das trainiert deinen „Ideen-Muskel“, der dir in einer Notlage vielleicht einmal helfen kann, wenn du eine Lösung brauchst.

Zu meinem größten Erstaunen klappt das tatsächlich! Gestern, also am dritten Tag, explodierte mein Kopf schier vor neuen Ideen.  Einige betreffen meine Praxis, aber nicht nur, und bei einigen muß ich noch etwas Recherche betreiben, wie ich es anstellen könnte, sie umzusetzen. Es ist erstaunlich: Der Muskel-Vergleich ist wahr. Ist der „Ideen-Muskel erst einmal warm, läuft er hoch.

Wenn du dich verunsichert fühlst, sage „ Ich spüre, daß ich [Dieses Gefühl] habe“. – das gibt dir etwas Distanz dazu. ( Auch hier bin ich zum Glück gut dran, denn Zukunftsängste und Ähnliches habe ich gar nicht, weil ich weiß, daß ich immer klarkommen werde- auch dank des Prinzen und meiner großartigen Geschwister).

An mindestens eine neue Sache denken, für die ich dankbar bin.

Dann sagt James: „Have Idea-Sex – let your ideas have sex. Das heißt, kombiniere deine Ideen, ruhig auch alte mit neuen, damit weitere Ideen entstehen. BÄM – funktioniert! In einige Ideen werde ich noch Zeit und (Recherche-)Arbeit stecken müssen, in andere vielleicht auch „Startgeld“. Aber dafür habe ich ja meinen Job. Es macht soooo viel Spaß!

Also: dicke Lese-Empfehlung! Macht einfach Spaß und motiviert! (Das Ziel „Jede Woche um ein Prozent besser werden scheint gut machbar – es frustriert einen also nicht. Jedenfalls mache ich meine Reha-Übungen jetzt sogar mit Spaß und bin motiviert!)

Es frü-hü-hülingt!

Ist das Wetter derzeit bei euch auch so großartig, darlings? Gestern feierte der Buchhändlerfreund einen runden Geburtstag, und wir waren zum Brunch eingeladen. Die Buchhändlerfreunde wohnen oben am Dorf-/Feldrand. Es war wunderbar knackig warm im Garten, wir saßen nach Essen und Sekt noch eine ganze Weile mit anderen Gästen  in der Sonne und quatschten über Gott und die Welt. Den kleinen Herrn Sonntag hatten wir zu Hause gelassen, damit er nicht durcheinander kam: S., die Buchhändlerfreundin, geht mit ihm/uns Gassi, wenn der Prinz mal nicht da ist, und er mag sie sehr. Zudem wohnen die Freunde an einer der liebsten Spazierstrecken des Herrn Sonntag. Er hätte das nicht verstanden: S. ist da, wir sind hier in den Feldern, und ich soll zwischen all diesen Leuten still sitzen und keiner gibt mir was vom Essen ab?! Er hätte nur gebellt und gezappelt, und das Geburtstagskind ist nicht gerade ein übermäßiger Fan davon, Tiere im Haus zu haben. S. vermißte ihn natürlich ebenso wie wir, aber das ließ sich nicht ändern. Immerhin waren wir keine zehn Minuten von Zuhause weg. Unter den Gästen war auch ein lieber Bekannter, den wir sonst fast nur bei Veranstaltungen hier im Dorf treffen, da er sich hier sehr engagiert. Wir lernten endlich auch mal seine Frau und seine Tochter kennen, das war schön (mit der Frau verstand ich mich sofort prima, wir werden uns künftig öfter sehen, haben wir beschlossen 😉 ). Zudem war noch ein sehr nettes, goldiges Paar aus der Nachbarschaft da, die sich schnell als Fans von Simon’s Cat herausstellten und mit denen wir viel lachten. Das war ein guter Beginn für einen Frühlingssonntag!

Rundum ist es jetzt wieder eine Freude, draußen zu sein! In den letzten Monaten war es, wenn der Prinz nach Hause kam, schon dunkel draußen und oft auch widerlich kalt /naß/windig. Jetzt kommt er, es ist noch hell und sogar sonnig, er zieht dem wie ein Gummiball hüpfenden Herrn Sonntag das rote Geschirr an und wir ziehen los. In der Sonne ist es noch warm, überall blühen und duften Büsche und Blumen – es ist großartig! Wie macht sich der Herr Lenz bei euch?

Ein Dreiviertel-Jahrhundert

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Heute wäre er 75 Jahre alt geworden, mein wunderbarer, leicht verrückter Vater. Ihm verdanke ich meinen schwarzen Humor,  meine Sprachbegabung, meine Leselust und das dezent Durchgeknallte, das einige Leute besonders an mir schätzen ;-). Außerdem, wenn ich mir das Foto anschaue, sehe ich da meine Hände (wir haben oft unsere Hände nebeneinander gehalten und darüber gestaunt und uns gefreut, daß sie total gleich aussahen. Gene sind schon cool.)

Wäre er noch am Leben, hätte er vermutlich jetzt ganz graues Haar und einen grauen Bart. Er ist heute 35 Jahre tot, und ich habe eine heillose (und hilflose) Sauwut auf diese drecksverfickte Krankheit, die ihn uns genommen hat. Er hat die Geburten vierer Enkelkinder verpaßt und es tut mir so oft so leid, daß der Prinz ihn nicht mehr kennenlernen konnte. Aber ich denke mir, daß er von seiner Wolke runter (die ganz sicher mit einem Indalo an der Seite geschmückt ist) auf uns runterguckt und auf uns aufpaßt.

 

Denkanstöße

Kürzlich hatte ich eine interessante Klientin bei mir, die mir ganz nebenher geholfen hat, die Behinderung aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. Sie hat eine fortschreitende Erkrankung, die ihr chronische Schmerzen in Muskeln und Gelenken  bereitet und sie damit in ihrer Bewegungsfähigkeit einschränkt. Sie ist nun auf der Suche nach einem Weg, wie sie sich in ihrem Leben neu orientieren kann. Sie hatte meine Webseite beim Stöbern gefunden und fragte per Mail nach Details, vor allem für meine Angebote „walk & talk“ und „Lebenscollage“ .Was Reiki sei, wisse sie, schrieb sie, aber diese beiden Angebote, über die wolle sie gern mehr wissen.

Nun, wie „walk & talk“ funktioniert, hatte ich auf meiner früheren Praxis- Webseite ausführlich erklärt – mit dem Ergebnis, daß das Angebot kurz darauf als fast exakte Kopie auf der Webseite der Nachbarin auftauchte.

Deswegen habe ich die Lebenscollage nicht weiter erklärt, das mache ich lieber persönlich, Parasiten kosten nur Kraft.

Das Konzept der Lebenscollage habe ich vor einigen Jahren in Baden-Baden bei einer fröhlichen, temperamentvollen Südamerikanerin gelernt. Die Frau, die gestern kam, hatte jedoch ein durch ihre Erkrankung verursachtes familiäres Problem, das ihr zu schaffen macht. Wir sprachen das erst einmal in Ruhe durch und gingen es dann in einer kleinen Familienaufstellung an. Wow – das haute rein… Hinterher saßen wir da, klammerten uns an unsere Kaffeetassen und lachten erschöpft.

Blöderweise hatte ich ihr zu „walk & talk“ vorab schon  vom Hallamati erzählt, wie die Nachbarin nicht aushalten konnte, daß ich mit meiner kleinen Praxis Erfolg hatte und ihren Mann mit ihrer Wut so lange löcherte, bis er sich brav fügte und mir das Leben mit anonymen Anzeigen und Verleumdungen bei Behörden so schwer machte, daß mein Blutdruck  gefährlich anstieg und ich letztendlich die Gehirnblutung bekam, deren Folgen mich zum Aufgeben meiner Praxis zwangen. Das genügte der Frau nebenan allerdings nicht, wie ich später auf ihrer Webseite sah – sie weidete selbst die Reste noch aus und stahl, was nur ging, wie „walk & talk“. (Auch jetzt, wenn wir uns begegnen, hat sie nicht mehr als ein höhnisches Grinsen für mich übrig. In den fünf Jahren seitdem hat sie nicht einen Versuch der Entschuldigung unternommen.  (Ihr Anzeigensklave auch nicht. Jämmerlich und armselig.))

Ich hatte also der Klientin gesagt, ich könne „walk & talk erst wieder anbieten, wenn ich besser laufen könne, also der „walk“-Teil wieder da sei. Das erzählte ich dem Prinzen, der fast explodierte. “Wer sagt denn, daß du laufen können mußt?“ fragte er verblüfft. “ Wenn ich das Konzept bei dem Seminar damals richtig verstanden habe, läuft der Klient. Du hast doch einen elektrischen Rollstuhl, das ist so gut wie Laufen!“

Das stimmt allerdings. Der Rolli schafft sechs km/h, ein normal gehender Mensch vier. Ich fragte die Frau also am Telefon, ob sie ein Problem mit dem Rolli habe. Sie lachte nur und erklärte mir ihre Erkrankung. Sie kann laufen, allerdings nur sehr langsam, und keine Treppen steigen. Ein Rollstuhl ist für sie etwas völlig Normales.

Nach der Familienaufstellung waren wir beide, wie gesagt, ziemlich gebügelt. So beschloß sie, die Lebenscollage lieber später und dann  mit mehr Kraft zu machen, dazu legten wir gleich einen Termin in der nächsten Zeit fest. Für einen „walk & talk“-Termin vereinbarten wir wegen des unbeständigen Wetters, daß sie mich an einem Tag, der schön zu werden verspricht, spontan anruft und wir dann einfach losziehen. Hier, in unmittelbarer Umgebung unseres Hauses, gibt es mehr als genug Möglichkeiten dafür, das habe ich  in den letzten Monaten durch die vielen  Spaziergänge mit dem kleinen Herrn Sonntag gesehen.  Ich freue mich, daß der Prinz mich auf diese Variante mit dem Rolli aufmerksam gemacht hat. Denn der Prinz achtet sehr darauf, daß ich weder eingeschränkt werde noch mich selbst einschränke (darauf muß ich selbst auch gut aufpassen!)

Die Frau erzählte mir noch, sie werde oft kritisch angesehen , wenn sie zum Beispiel in der Stadt unterwegs sei. Denn: ihre Erkrankung ist unsichtbar. Während ich deutlich sichtbar gehbehindert bin, läuft sie ganz normal. So bekommt sie häufig kritische Blicke ab, wenn sie in einem Kaufhaus den Aufzug statt der Treppe benutzt, denn da nimmt sie ja „Platz weg“, den Leute mit Rollatoren und Krücken brauchen. Das sei oft schwierig für sie, sagte sie.  Das brachte mich zum Überlegen. Ich rege mich ja oft darüber auf, daß die Leute mich anstarren wie ein Zootier. Wenn ich im Rolli sitze, werden sie sogar übergriffig, als sei ich auch geistig behindert. (Dazu hatte ich am Sonntag ein krasses Erlebnis, erzähle ich noch.)

Jedenfalls bin ich immer dankbar für Denkanstöße, die mir helfen, die Behinderung aus einer neuen Perspektive zu sehen (deshalb mag ich die Arbeit im Behindertenbeirat auch so sehr.) Jedenfalls: Ich habe nun mal diese Behinderung, aber ich lasse mich dadurch (und durch andere Menschen) nicht (be-)hindern, so zu leben, wie ich leben möchte und das zu tun, was ich tun möchte.

Denn: Ich bin die Schöpferin meiner Welt, wer sonst?! (Daß die Nachbarin etwas anbietet, für das sie gar keine Ausbildung  absolviert hat, finde ich sehr bedenklich und vor allem unethisch, aber ich werde mich nicht auf ihr Niveau hinunter begeben. Damit muß sie selbst klarkommen. Denn sie ist diejenige, auf die das, was sie tut und getan hat, zurückkommen wird. Das ist das Naturgesetz.

Hier zieht gerade ein Gewitter auf, ich mach mir’n Espresso 😉 See you!

Dein Stockbein

Als ich den vorherigen Beitrag über die Türen des Einkaufszentrums in der Lakritzenbruderstadt schrieb, fiel mir noch ein hinreißendes Erlebnis aus dem letzten Weihnachtsurlaub in der zweiten Heimat ein; eine Erinnerung, die mir immer noch ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert, weil das einfach ein total süßes Erlebnis war:

Es war der Tag nach dem Sturz. Laufen tat unsagbar weh (wir waren noch nicht beim Arzt gewesen, weil es der zweite Weihnachtstag war und ich hatte noch keine Ahnung, dass ich mir im linken Oberschenkel einen Muskel gezerrt und mir das linke Handgelenk gebrochen hatte. Es tat einfach nur alles irrsinnig weh. Wir fuhren mit unserer Freundin Edda, der Schmiedin, nach Harlesiel ans Wattenmeer. Dort wollten wir im Wattkieker eine Kleinigkeit essen. Ich war mit dem Gehstock unterwegs. Ein Stückchen weiter saß eine Familie am Tisch. Der Sohn (ich schätzte ihn auf zehn bis zwölf Jahre) war sehr fasziniert vom kleinen Herrn Sonntag. Als wir bezahlt hatten, kam der Junge zu uns rüber und fragte höflich: „Darf ich euren Hund mal streicheln?“ Ein total süßer Kerl, der Kleene.

„Ja klar darfst du das, der freut sich“, sagte der Prinz. Der kleine Herr Sonntag ist mit Kindern aufgewachsen und kommt prima mit ihnen klar, zumal sein Gesicht mit den großen Kulleraugen bei Kindern sofort Vertrauen schafft. Der Junge knuddelte Herrn Sonntag ausführlich, dann sagte er: „Ich hab euch vorhin draußen schon gesehen, mit eurem Hund, als ihr reingekommen seid.“ Er grinste mich lausbübisch an und sagte: „Dich hab ich auch draußen gesehen, mit deinem Stockbein. Du bist behindert, nicht?“

Wow! Ich war „totally blown away“! so eine lockere Art, von einem Kind! Das tat richtig gut!

„Ja, sagte ich, „das bin ich.“ Der Junge nickte ernsthaft. „Das hab ich mir schon gedacht, daß du behindert bist“, sagte er. (Himmel, war der Kerl süß!) Als die Familie sich ebenfalls zum Gehen bereit machte, wurde mir klar, warum der Junge mit dem Thema so locker war: Der Großvater saß im Rollstuhl, das war durch den Tisch verdeckt gewesen, deshalb hatte ich es nicht gesehen. Der Kleene war das also gewöhnt. Als wir aufstanden, kam die Mutter des Jungen nochmal schnell zu uns an den Tisch. „Vielen Dank, daß mein Sohn Ihren Hund streicheln durfte – ich hoffe, er hat Sie nicht gestört“, sagte sie. Wir versicherten ihr, daß ihr Sohn ein Ausbund an Charme und eine besonders nette Gesellschaft sei. Sie freute sich sehr. Er war elf, übrigens.

Wir denken immer noch gern an diese Begegnung zurück. Wenn wir das Haus verlassen, nehme ich natürlich „mein Stockbein“ mit. <3

 

Puffreis mit Schokolade

Heute habe ich mal wieder sehr ungesund gefrühstückt (leider eine dumme und schlechte Angewohnheit von mir.) Der Prinz hatte gestern Abend noch eine Schulung zu  halten, die saublöd spät angesetzt war. Kurz vor seiner Ankunft rief er an und sagte „Bin gleich da, muß nur noch schnell zur Tanke.“

Ich hatte Süß-Hunger und bat ihn, mir etwas Süßes mitzubringen. Als er hereinkam, sagte er: “An der Tanke ist ja nicht so eine dolle Auswahl, ich hab dir das hier mitgebracht“, und drückte mir eine Packung  mit Schokolade überzogener Puffreiswaffeln in die Hand. Kennt ihr die noch, von Nippon? Aus der Kindheit?

Nun gibt es zwei Dinge, die den Prinzen und mich unweigerlich an den Prinzenpapa erinnern: Der Anblick einer Rossmann-Filiale (weil er da leidenschaftlich gern einkaufte), und Puffreiswaffeln, mit und ohne Schokolade, die aß er sehr gern. Als wir nach seinem Tod begannen, die Wohnung für das Ausräumen zu ordnen, fanden wir große Vorräte an Schoko-Reiswaffeln und Energieriegeln von Rossmann, die ich alle verputzte. Der Papa hätte sich gefreut, denn er war immer sehr bemüht, mich mit Süßem zu verwöhnen. Ich kann nicht mehr zählen, wie viele Kilo Mon Chéri wir ihm verdankten. So futtere ich also gerade zum ersten Mal seit dem Tod des Prinzenpapas wieder Schoko-Reiswaffeln. Wir denken oft an ihn, mit Wehmut, und immer mit einem Lächeln, wenn wir sagen: „Weißt du noch, wie der Papa…?“ oder auch einfach „Das wäre jetzt was für Papa!“ Und dann lachen wir, und oben auf seiner Wolke grinst der Papa verschmitzt auf uns runter. Er fehlt uns.

@Petra

gestern habe ich hier Herrn Sonntags neues Halstuch vorgestellt. Weil er so cool und lässig damit aussieht, kam mir „Django“ in den Sinn. Und damit der herrliche 70er-Jahre Sketch aus der großartigen Klamauksendung „Klimbim“ (die etwas Älteren unter euch erinnern sich bestimmt noch?):

 

„Django hat Monatskarte!“

 

Du, Petra, fragtest im Kommentar: „was ist Monats-Halstuch? Hält das Halstuch nur einen Monat, oder ist es dem Herrn nach einem Monat nicht mehr standesgemäß und es muss ein neues her?“

Nein, die Auflösung ist eigentlich ganz banal:

Aus der Monatskarte machte ich ein „Monats-Halstuch“ – denn Djangos Monatskarte musste sein, weil: sie hat als Redensart – zumindest in meiner Familie – den gleichen Stellenwert wie bei anderen Klamauk-Fans das berühmte „Palim-Palim“ oder die „Flasche Pommes“ des wunderbaren Herrn Hallervorden…

 

Ganz zu schweigen von der Titelmelodie von Doktor Schiwago oder „Ins Hotel?!?!“…

Hach, ich muß aufhören, sonst finde ich kein Ende… Übrigens mag ich Dieter Hallervorden heute noch sehr, sehr gern – schaut euch, wenn ihr die Möglichkeit habt, unbedingt seine Filme „Honig im Kopf“ und „Sein letztes Rennen“ an – es lohnt sich!

Welche Zitate benutzt ihr immer noch ( Lohse, klar, aber auch andere?)