YAY! geschafft!

Peter hat es gepackt – er ist unser neuer Ortsvorsteher! Mit 59,4 Prozent hat er seine beiden Konkurrenten, die SPD-Tante und den Grünen, vom Tisch gefegt. Wir freuen uns für ihn – und damit auch für uns, unser Dorf. (Ich habe ganz eventuell etwas viel Weißherbstschorle und Sekt getrunken 😀 )

Der Prinz und ich knuddelten Peter noch schnell, bevor wir zu unserem Mausebärchen heimkehrten und Peter drückte den Prinzen extra heftig für seine Hilfe mit Flyern, Wahlplakaten, der Webseite  und Transparenten, die der Prinz in etlichen nächtlichen PC-Sitzungen für ihn erstellt hat.

Zu 100 Prozent ins Bett geht jetzt

die Frau Lakritz (sehr zufrieden)

Und da ist sie wieder…

… die „Frau Lakritze jammert über die Kälte“ – Zeit, my dearies… der Hörbscht ist hier sehr plötzlich mit kalten Temperaturen eingebrochen, die vor allem die Abendgassi-Runden mit dem kleinen Herrn Sonntag für mich unerfreulich ungemütlich machen.

Ehrlich gesagt, hatte ich dieses Jahr gar nicht erst die Winter-Bettdecke gegen die Sommerdecke ausgetauscht. 😉 Und auch die Körnerkissen sind geblieben über die kurze Kälte-Auszeit, die vorgeflunkert hatte, sie sei ein Sommer. (Paxianer schrieb mir kürzlich mal, der Sommer sei so kurz gewesen, dass sie kaum Zeit gehabt habe, darin anzukommen. Well said, Paxi! Genauso ist es mir ergangen, und nun finde ich mich dabei, wie ich meine Vorräte an langer Ski-Unterwäsche, Schals und dicken Kniestrümpfen und Socken überprüfe. Ich werde meine Schwesti fragen, ob sie noch ein, zwei Körnerkissen für mich übrig hat, damit ich für die Nächte des kommenden halben Jahres gerüstet bin. ?

Nun, immerhin strahlt hier gerade die Sonne und es steht ein Spaziergang mit Herrn Sonntag ins Nachbardorf an, auf einen Latte Macchiato im Eiscafé.

Morgen sind wir bei Brüderchen im Schwäbischen – die kleine Schwester von SuperPaul kommt in die Schule (OMG #ichwerdealt)

Wie ist das bei euch – herbstelt es? Und freut ihr euch?

Pippi, die Ausbrecherkönigin

Ein kleines special für Renata 😀

Kürzlich hatte ich diesen Bericht angekündigt, darlings; eine Zeit lang hat sich Pippi nebenan im Hof selbst eingesperrt und uns damit halb verrückt gemacht:

Das Häuschen, das gleich neben unserem steht, gehört noch zum ursprünglichen alten Häuserbestand des Dorfes. Es ist ein süßes rotes Backsteinhäuschen mit gemütlicher, heimeliger Ausstrahlung. Die alte Dame, die darin wohnte, starb vor etwa drei Jahren. Wir hatten eine gute Beziehung zu ihr. Im Dorf nannte man sie nur bei ihrem Vornamen, also „die Klara“, oder, im hiesigen Dialekt, „es Klärche“.

Seit sie tot ist, steht das Haus leer. Die Erbengemeinschaft besteht aus einer Gruppe von fünf Geschwistern (Klaras Nichten und Neffen, sie hatte keine eigenen Kinder), die aber nicht alle hier im Dorf leben. Die fünf können sich nicht so recht einigen, was sie mit dem Haus anfangen wollen, zumal es durch und durch feucht ist und das Dach erneuert werden muß. (Ich hatte mal kurz überlegt, es mir als Praxis einzurichten, aber in einem feuchten Altbau hatte ich schon 2006 meine erste Praxis hier, und das hatte zu viele Nachteile, auch für die Klienten, so daß ich froh war, als ich ins Herrnsheimer Schloß umziehen konnte. Zudem ist das Haus sehr winzig, also eher uninteressant für meine verrückten Ideen 😉 ) Der Grundriß sieht dort drüben aus wie bei uns: Kommt man durchs Tor, liegt rechts das Wohnhaus, das die rechte Längsseite des schlauchförmigen Hofes bildet. Bei uns ist die linke Längsseite der frühere Kuhstall (heute Werkstatt), beim Klärche ist das die Rückseite unseres Hauses. Die hinteren Stirnseiten beider Höfe bilden Gebäude, hinter denen Land liegt. Bei uns ist das die Scheune, durch die man in den riesigen Garten unserer Vermieter gelangt. Beim Klärche ist es ein alter Schuppen, hinter dem ein großes Stück Grasland liegt, das hin und wieder als Pferdeweide verpachtet ist. Unser Hof ist unzugänglich, da durch die verschlossene Scheune hinten und das hohe Tor vorn geschützt, aber beim „Klärche-Haus“ kann eine Katze wohl problemlos von hinten durch die Wiesen über das Dach des alten Schuppens in den nachbarlichen Hof kraxeln. Das schaffte bereits im Juni auch unser neugieriges  Pippikind. Der Prinz und ich kamen spätabends von einer Vernissage  zurück, als wir hinter dem Hoftor an Klärchens Haus ein energisches „EO! EO!“ hörten. Das war eindeutig Pippilein, die um Hilfe rief. Unter dem Tor hindurchschlüpfen konnte sie nicht, wie bei unserem Tor, da ist kein Platz. Um das Haus kümmern sich zwei Schwestern, die in der Nähe wohnen. Das sind E., die mir öfter selbst gekochte Marmelade und Gelees bringt, und C., mit der mich eine herzliche Zuneigung verbindet.

Es war uns ein Rätsel, wie Pippi in den Hof gelangt sein konnte. Ich nahm an, daß C. im Haus gewesen war und Pippi versehentlich im Hof eingeschlossen hatte (das Pippikind ist sehr scheu, sie hatte sich wohl gut versteckt gehalten.) An diesem Abend mochte ich C. nicht so spät noch anrufen, sprach also dem Pippilein durch das Tor Trost zu (im Fahrrad-Unterstand ist sie geschützt)  und ging besorgt schlafen. Der nächste Tag war ein Samstag. Gleich nach dem Frühstück rief ich C. an und schilderte ihr die eingesperrte Pippi. C. lachte und sagte nur: „Ich komm‘“. Sie war zwei Minuten später mit dem Fahrrad da und schloß das Tor auf. Heraus schoß ein erleichtertes Pippilein, das bei C.s Anblick vor Schreck fast wieder zurück in den Hof geflitzt wäre – nicht, daß C. so ein schlimmer Mensch wäre – im Gegenteil! -, aber Pippi vermutet bei jedem fremden Menschen, sie könne gleich gefressen werden ? Ich war ebenso heilfroh wie mein Pippikind, daß sie wieder zuhause war. C. wehrte meinen Dank erstaunt ab – wie schon erwähnt, ist Nachbarschaftshilfe hier im Dorf eine Selbstverständlichkeit. Nun, das Pippilein war wieder da. Nur flitzte sie am Abend, als wir mit Herrn Sonntag zum Abend-Gassigang den Hof verließen, wieder raus. *seufz* Und richtig: Als wir zurückkehrten, kamen aus dem Nachbarhof die bekannten Rufe. Am nächsten Morgen rief ich C. an, die lachend kurz darauf klingelte. Der Prinz kam dazu, und wir untersuchten zu dritt den Hof, um herauszufinden, wie Pippi da hineingelangen konnte. Der kleine Schuppen zeigte sich als einzige Möglichkeit. Er ist niedrig genug, daß eine Katze von der Rückseite aufs Dach gelangen und vorne in den Hof hinunterspringen kann. Nur: das Dach steht etwas vor, also kann die Katze nicht wieder hinauf… C. schlug vor, Pippi ein Brett an das Dach zu legen, über das sie hinauflaufen könne. Der Prinz fand eins in unserem Hof. Leider ist es aber so dünn, daß es sich durchbiegt und federt, wenn es belastet wird. C. hatte die Idee, es von unten mit der grauen Mülltonne abzustützen, die ja nicht mehr genutzt wird. So bauten C. und der Prinz dem Pippilein einen Fluchtweg.

Prompt verschwand die kleine Fellnase am nächsten Abend wieder. Alles von vorn: EO-EO-Rufe aus dem Hof, ich an unserem Bad-Fenster (das in den Nachbarhof hinausgeht), dem Pippilein zurufend, es solle die Fluchtbrücke benutzen… ich hatte eine unruhige Nacht. Am nächsten Morgen rief ich zögernd C. nochmals an, die sich vor Lachen kaum einkriegte, weil mir das so peinlich war und ich mich dauernd entschuldigte. „Hab‘ dich doch nicht so, ich mach das wirklich gern!“ grinste sie und drückte mich. Pippi schien das mit der Brücke einfach nicht zu kapieren!

Aber: ich bin ja katholisch… und wir Katholiken haben den Vorteil, daß wir einen ganzen Stall voll freundlicher Heiliger haben, die man in den verschiedensten Situationen um Hilfe bitten kann ? Für Tiere ist – klar! – Franziskus von Assisi zuständig. Beim nächsten Pippi-Desaster setzte ich mich also mit dem heiligen Franzl in eine ruhige Ecke und bat ihn, dem Pippilein doch mal einen vorsichtigen Schubs auf das Brett hinauf zu geben. Denn der Prinz erklärte strikt, Pippi müsse das jetzt lernen, zumal ich C. bereits fünf Mal alarmiert hatte. Einmal war sogar W. gekommen, C.s Mann, der das Ganze ebenfalls zum Brüllen komisch fand. ?

Jedenfalls: der heilige Franz scheint dem Pippikind die Lösung gut beigebracht zu haben. Sie verschwand noch einige Male, rief auch aus dem Hof um Hilfe, kam aber immer wieder allein zurück. Inzwischen ist das Ganze zur Routine geworden. Wir schauen regelmäßig nach, ob die Konstruktion noch steht.

(Gedanken am Rande: Es ist schade, daß die Sanierungskosten den Wert des Häuschens weit überschreiten würden, denn ich könnte es mir sehr gut als Praxis vorstellen. Aber das Haus hat seit Dekaden keinen Handwerker mehr gesehen, denn „es Klärche“ war für ihre strenge Sparsamkeit bekannt ;)… Das Haus hat keine Heizung, nur Öfen, und die Stromkabel…uaah, will ich gar nicht wissen…)
Jedenfalls kann unsere kleine schwarze Ausbrecherkönigin dank der „Fluchtbrücke“ jederzeit den Hof über das Schuppendach verlassen und hinten herum über die Wiesen wieder nach Hause kommen. Ich bin wirklich sehr froh über den Zusammenhalt und die Herzlichkeit der Nachbarn hier im Dorf!

Wehe! Sonst hol‘ ich die Polizei!

Das war wieder ein heiterer Mittag  heute, ich lache immer noch, darlings. Vor etwa einer Stunde klingelte es. Mittags sind das meist Paketlieferdienste. Ich gehe dann immer ans Wohnzimmerfenster neben dem Tor, da stehe ich sicherer als im Hof und kann die Sendungen leichter über das Fensterbrett annehmen und gleich auf den Boden oder das Sofa bugsieren. Die Fahrer der wichtigsten Lieferdienste kennen mich schon lange. Sie wissen von der Behinderung und daß ich nicht so schnell bin. (Außer Hermes, da wechseln die Fahrer zu oft.) Sie klingeln und warten einfach am Fenster auf mich. Mit allen verstehe ich mich gut, ich kenne sie beim Namen und wir plauschen immer ein bißchen. Der kleine Herr Sonntag steht dabei auf der Rückenlehne des Sofas und guckt raus, er kennt die Fahrer auch und weiß, daß er immer ein nettes Wort und einen Streichler von ihnen bekommt.

Vorhin nun war einer der nettesten Fahrer da. „Ah, der Herr X, wie geht‘s?“ begrüßte ich ihn. Er schaute ein bißchen besorgt drein. „Frau Lakritz, ich habe ein Riesenproblem“, sagte er ernst. „Könnten Sie eine Sendung für Y annehmen? Ich habe schon überall hier geklingelt, aber nirgends ist jemand zu Hause…“

„Ja, die sind jetzt alle arbeiten“, sagte ich. „Ich würde Ihnen den Gefallen sehr gern tun, Herr X, aber Herr Y möchte ausdrücklich nicht, daß ich Pakete für ihn annehme. Er will mich bei der Polizei anzeigen, wenn ich das noch mal tue.“ Ich wußte nicht, worüber ich mehr lachen sollte, über Herrn Xs Gesichtsausdruck oder die Absurdität meiner Erklärung.

„Der will…WAS?!“ fragte Herr X entgeistert. Ich schilderte kurz, wie ich vor längerer  Zeit, wie das hier im Nachbarschaftsumkreis üblich ist, ein Päckchen für Familie Y angenommen hatte. Vermutlich hatte die gnädige Frau Y sich beschwert, daß sie die gut 20 Meter zu uns herüberlaufen mußte, um es zu holen, denn am nächsten Tag lag ein absender- und unterschriftsfreier Brief an den Prinzen (an den Prinzen! Nicht an mich!) im Kasten, in dem der „unbekannte“ (hihi) Verfasser dem Prinzen androhte, mich bei der Polizei anzuzeigen, sollte ich „es noch einmal wagen“, Post für ihn anzunehmen.

So sehr wir auch darüber lachten, bedauerten wir doch arg, daß der „Unbekannte“ (hihi) nicht dazu geschrieben hatte, auf welchen Paragraphen des BGB er sich dabei bezog.

Zugegeben, meine vier Semester China-Marketing waren nur Grundsemester, doch haben wir in den Recht-Vorlesungen das BGB gründlich durchgearbeitet, und ich habe die Klausuren sehr gut abgeschlossen. Ich  kann mich nicht erinnern, daß es dort einen Paragraphen gäbe, der es verbietet, Nachbarn einen Gefallen zu tun und ihnen zu ersparen, ihr Paket irgendwo in der Pampa abholen zu müssen. Unsere Nachbarschaft hier sieht solche Gefälligkeiten jedenfalls als Selbstverständlichkeit an. Wir sind eine gute, feste Gemeinschaft. Wir kümmern uns umeinander. Aber – wer sich unbedingt außerhalb stellen will, der steht eben draußen. Wir akzeptieren das. (In diesem speziellen Fall sind wir sogar froh darüber.)

Herr X, der Paketbote, schaute mich fassungslos an, als ich ihm erklärte, warum ich das Paket nicht annehmen „darf“. „Der spinnt doch!“ sagte er verblüfft. „Nuuun…“ sagte ich, „dazu äußere ich mich nicht. Aber Probleme solcher Art und Güte hat er mit vielen Leuten hier im Dorf.“ Herr X nickte mir grimmig zu, mit gerunzelter Stirn. „Dann hat er jetzt ein Problem mit mir“, sagte er entschieden. „Er kriegt nämlich sein Paket nicht. Ich habe überall ringsum geklingelt und niemanden angetroffen. Ich fahre weiter. Machen Sie’s gut, Frau Lakritz.“ Er strich Herrn Sonntag über den Kopf, stieg ein und düste fort.

Ich habe mir inzwischen Mittagessen und Nachtisch gemacht, trinke gerade Kaffee und lache immer noch. Der Herr X ist einer meiner „Lieblinge“ unter den Paketdienst-Fahrern. Wir schätzen einander sehr. Und jetzt schätze ich ihn noch mehr.

PS: Kleiner Gruß in die Nachbarschaft: Ich akzeptiere Entschuldigungen – allerdings nicht anonym ?  (und da wäre die Madame mal zu allererst dran…)

Boule am Abend, erquickend und labend

Das war mal ein netter Abend heute! Die örtliche CDU-Gruppe, die hier im Dorf sehr aktiv ist,  hatte für 18.00 Uhr ein  kleines Boule-Turnier  organisiert. Leider setzte gerade, als der Prinz und ich uns auf den Weg machen wollten, ein Gewitter mit heftigen Windböen ein. Als es vorüber war, zogen wir aber los. Der kleine Bratwurstgrill dampfte und duftete schon, die ersten Flensburger-Flaschen waren im  Umlauf, sehr gemütlich. Ich kannte gut die Hälfte der Leute. Ein Frauen-Grüppchen spielte bereits Boule (eigentlich Pétanque)  und sie luden mich gleich ein, mitzumachen. Ich habe ewig nicht mehr gespielt! Aus dem Rolli heraus ging es besser als früher im Stehen. Dennoch: Das Ergebnis war… nun ja.  😀 Ich war auch gleichzeitig damit dran, das Schweinchen zu werfen. Werfen, egal was,  konnte ich schon vor dem Hallamati nicht vernünftig. Ich war ja eine ausgeprägte Linkshänderin vorher und habe mich in den Jahren seitdem zu einer  recht passablen Rechtshänderin entwickelt, zwangsläufig. Nur – und der kleine Herr Sonntag wird das gerne bezeugen –  Bälle und Ähnliches kann ich immer noch nicht gescheit werfen ?. Da die anderen Frauen aber auch nicht besser warfen, hatten wir sehr viel zu lachen, zu kichern und zu witzeln. Ein richtiges Turnier wurde es nicht, wir spielten rein zum Spaß – und den hatten wir! Hinterher gab es noch eine leckere Überraschung: Da, wohl wegen des Gewitters, nur wenige Leute und damit keine Kinder gekommen waren, stand noch eine große Dose mit leckeren bunten Weingummi-Schlangen da. Die armen Schlangen überstanden den Abend nicht… Echt jetzt: da standen Erwachsene rum, mit Bierflaschen, Zigaretten und Bratwurstbrötchen – und kauten begeistert auf Weingummischlangen herum! Es war sehr lustig (und lecker). Der Prinz und ich besprachen noch ein wenig die kommenden Aktionen, die für die nächste Ortsvorsteher-Wahl wichtig sein könnten, mit unserem Freund Peter, der wieder zur Wahl antritt (und hoffentlich dieses Mal unser neuer OV wird). Es ist wie in unseren alten Presse-Zeiten: der Prinz ist für die Fotos verantwortlich, ich für die Texte – wir sind auch pressetechnisch ein gutes Team, der Prinz und ich  😉

Der kleine Herr Sonntag schimpfte uns aus, als wir nach Haus kamen, freute sich aber und schläft jetzt in seinem Körbchen zwischen unseren Schreibtischen ❤.  Es war ein sehr schöner Abend, und ich gehe jetzt auch schlafen. Gute Nacht euch!

Es frü-hü-hülingt!

Ist das Wetter derzeit bei euch auch so großartig, darlings? Gestern feierte der Buchhändlerfreund einen runden Geburtstag, und wir waren zum Brunch eingeladen. Die Buchhändlerfreunde wohnen oben am Dorf-/Feldrand. Es war wunderbar knackig warm im Garten, wir saßen nach Essen und Sekt noch eine ganze Weile mit anderen Gästen  in der Sonne und quatschten über Gott und die Welt. Den kleinen Herrn Sonntag hatten wir zu Hause gelassen, damit er nicht durcheinander kam: S., die Buchhändlerfreundin, geht mit ihm/uns Gassi, wenn der Prinz mal nicht da ist, und er mag sie sehr. Zudem wohnen die Freunde an einer der liebsten Spazierstrecken des Herrn Sonntag. Er hätte das nicht verstanden: S. ist da, wir sind hier in den Feldern, und ich soll zwischen all diesen Leuten still sitzen und keiner gibt mir was vom Essen ab?! Er hätte nur gebellt und gezappelt, und das Geburtstagskind ist nicht gerade ein übermäßiger Fan davon, Tiere im Haus zu haben. S. vermißte ihn natürlich ebenso wie wir, aber das ließ sich nicht ändern. Immerhin waren wir keine zehn Minuten von Zuhause weg. Unter den Gästen war auch ein lieber Bekannter, den wir sonst fast nur bei Veranstaltungen hier im Dorf treffen, da er sich hier sehr engagiert. Wir lernten endlich auch mal seine Frau und seine Tochter kennen, das war schön (mit der Frau verstand ich mich sofort prima, wir werden uns künftig öfter sehen, haben wir beschlossen ? ). Zudem war noch ein sehr nettes, goldiges Paar aus der Nachbarschaft da, die sich schnell als Fans von Simon’s Cat herausstellten und mit denen wir viel lachten. Das war ein guter Beginn für einen Frühlingssonntag!

Rundum ist es jetzt wieder eine Freude, draußen zu sein! In den letzten Monaten war es, wenn der Prinz nach Hause kam, schon dunkel draußen und oft auch widerlich kalt /naß/windig. Jetzt kommt er, es ist noch hell und sogar sonnig, er zieht dem wie ein Gummiball hüpfenden Herrn Sonntag das rote Geschirr an und wir ziehen los. In der Sonne ist es noch warm, überall blühen und duften Büsche und Blumen – es ist großartig! Wie macht sich der Herr Lenz bei euch?

Ein schreibender Käfer

Der Prinz, my darlings, hat ja diese süße und lustige Art, Begriffe durcheinanderzuwerfen, die mich immer wieder zum Lachen bringt, weil das so viel Charme hat.

Am Sonntagnachmittag waren wir mit dem kleinen Herrn Sonntag Gassi. Ich war wieder dick in den Schlupfsack eingepackt. Wir haben ja unsere Standardstrecke, bei der wir auf dem Sträßchen hinter Alfreds Schmiede wieder rauskommen. Kurz vor der Schmiede hörte ich von hinten ein Auto herannahen. Da ich immer noch keine Rückspiegel am Rolli habe und Geräusche nicht gut orten kann, fahre ich dann meist einfach rechts ran, stoppe und lasse das Auto vorbei. Diesmal sah ich, wie der Prinz  kurz die Hand hob und dem Fahrer  des kleinen schwarzen Autos winkte. „Wer war denn das?“ fragte ich neugierig. “Ach, der XY“, sagte der Prinz. „Mit seinem neuen Beagle.“

„Wie, Beagle?“ sagte ich aufgeregt.  „Ein neuer Beagle im Dorf? Bist du sicher, daß das nicht Lennox oder Phoebe war?“

„Ach, nee“, sagte der Prinz. „Wie heißt das kleine Auto nochmal – nicht Beagle?“

„Schatz“, sagte ich vorsichtig…  „Du meinst den Beetle, den neuen Käfer von VW, oder?“

„Ach ja, stimmt“, lachte der Prinz. „Beagle, Beetle, ist doch wurscht.“

Na, wenn demnächst bei den Peanuts ein Käfer auf dem roten Dach der Hundehütte sitzt und seinen neuen Roman tippt, das sieht dann schon komisch aus 😀 😀 😀

re: Kaya Bordercorgi

Es gibt da ein Hundeblog, my darlings, dem ich mit großer Freude folge. Es heißt

KayaBordercorgi. Wie der Titel schon vermuten läßt, handelt es sich bei Kaya um einen Mix aus Border-Collie und Corgi. Sie ist bildschön, die Kaya, schaut sie euch mal an!

Christiane, Kayas Frauchen, beschreibt in ihrem neuesten Beitrag, wie sie und ihr Schatz versuchen, die Spaziergänge für Kaya abwechslungsreicher zu gestalten,  der Beitrag ist hier zu lesen. Sie fragt ihre Leser auch danach, wie sie es mit ihren Hunden beim Gassigang machen.

Bei uns gibt es drei Gassi-Kategorien: wenig Zeit, mehr Zeit  und „Yeah, Wochenende!“

Also: offen gesagt, bin ich seit dem Kälteeinbruch nicht mehr jedes Mal dabei, sondern der Prinz und der kleine Herr Sonntag  gehen meist  allein los. Im Rolli sitzend kann ich mich gegen die Kälte, vor allem gegen den schneidenden Wind, nicht wehren. Ich sitze ja gezwungenermaßen still. Da hilft auch lange Unterwäsche meist wenig oder gar nicht, ich zittere und friere durch  bis auf die Knochen im wintrigen Wind. Ich habe mir einen Schlupfsack angeschafft, den wollen wir jetzt am Wochenende testen.

Mit meinen beiden Jungs (oder mit uns dreien)  läuft das so: Wenn wenig Zeit oder es spät ist, gibt es die kleine Standard-Runde: Aus dem Tor rechts raus und an Alfreds Schmiede vorbei. Dicht dahinter läuft ein  schmaler Streifen Ruderalgelände, also Wildwuchs. Dann folgt ein bewachsener Weg, der eine Pferdekoppel von einem kleinen Feld trennt. Am Feldrand an der Straße  ist eine bei den Dorfhunden sehr beliebte  „pee-mail“-Station, da hält sich der kleine Herr Sonntag immer lange auf. Zudem ist das der Platz für den ersten Haufen und den ersten Einsatz der Kackbeutel *g*.Weiter am Grundstück unserer Vermieter vorbei. Wenn die Hunde im Garten sind (unsere Vermieter und deren Töchter haben je zwei Hündinnen), gibt es zu beiden Seiten des Zaunes erst einmal eine gewaltige Show, mit viel Gebell und Fellsträuben. Die Hundemädels, Emma, Smilla, Shila und Ronja, alle aus dem italienischen Tierschutz, verteidigen ihr neues Zuhause mit geballter Energie. Unser Herr Sonntag, eigentlich ein ruhiger Zeitgenosse, läßt sich nicht anblaffen. Da kann er auch ganz schön giftig werden. Merkwürdigerweise ignoriert er andere Rüden sehr souverän (es sei denn, sie blaffen ihn an, dann gibt er heftige Retourkutschen), aber bei Hündinnen benimmt er sich wie die Axt im Walde. Das kann mitunter auch peinlich werden, zumal wenn es Mädels sind, die ihn mögen, wie zum Beispiel Gretel und Susi, die Beagle-Mädchen aus der Nachbarschaft. Mit deren Besitzern haben wir ein gutes Verhältnis. Ihrem Sohn gehört Zoe, die riesige gelbe Dogge, mit der sich Herr Sonntag immer heftige Gebell-Duelle liefert. Das wirkt witzig, denn er reicht Zoe gerade mal bis zum Bauchnabel 😀 Da Memnok, der Newfie, ja kürzlich überraschend starb, ist sein Hoftor eine „Bell-Stelle“ weniger. Weiter geht’s am Kindergarten vorbei und runter an „die“ Bach, wie es hier heißt, dann durchs verkehrsberuhigte Wohngebiet zurück nach Hause. Diese“ Kleine Runde“, wie wir sie nennen, ist wirklich nur  dazu da, die dringendsten Bedürfnisse unseres Bärchens zu stillen, eben Bewegung, Pinkeln und Häufeln. Zeit: etwa 20 Minuten.

Ist etwas mehr Zeit, darf der kleine Herr Sonntag selbst bestimmen, wo es hingehen soll. Er möchte meistens aus dem Tor links raus und dann rechts  die Straße hoch, in der unsere Buchhändler-Freunde wohnen. Die Straße führt direkt in die Felder hinaus. Da die hiesigen Landwirte nicht viel davon halten, ihre Wege zu pflegen, ist die Strecke nur sehr bedingt Rolli-geeignet (–> Schlaglöcher, dicke Matsche-Schichten von Traktorrädern…) Nun, da oben im dicken Trecker bekommen sie vom Weg ja nichts mit, und Pflege der Wege kostet nur Geld : – )

Zurück geht es dann am Kapellchen vorbei runter und zurück nach Hause. Zeit: hängt vom Wetter und damit von unserem Wohlbefinden ab, die Felder liegen etwa 30 Meter höher als unsere Straße, da pfeift im Herbst und Winter  manchmal ein scharfer Wind (das mag unser Bärchen nicht so).

Wochenende: Le grand tour, wie es der Prinz nennt, und die große Freude des kleinen Herrn Sonntag!

Der Prinz hat sich bereits  im letzten Herbst bei“ Garmin livetrack“ registriert. Zu seinem Greätetraining im Fitneßstudio, das er dreimal in der Woche durchzieht, hat er noch „Strammes Gehen“ hinzu addiert ( er hatte ja vor zwei Jahren einen Herzinfarkt, das hat ihn bezüglich des Themas „Sport“ doch umdenken lassen.).

Er trägt einen „livetracker“ von Garmin, der wie eine unauffällige schwarze Armbanduhr aussieht. Das Ding verbindet ihn mit dem GPS-System von Garmin und zeichnet zudem, wenn aktiviert, seine Herz- und Pulsfrequenz, seine Schrittgeschwindigkeit, die gelaufene Strecke und den Höhenunterschied auf (daher weiß ich, daß die Felder bei uns 30 Meter höher als unsere Straße liegen ;)).  Den livetracker  kann man für verschiedene Sportarten einstellen und unterwegs seinen Weg  oder Fortschritt über das Smartphone bei Google maps verfolgen. Das sieht dann so aus: Die Jungs starten und sobald der Prinz den tracker aktiviert, zeichnet dieser nicht nur ab sofort den Weg auf, sondern setzt auch eine Mail an mich ab (diese Mail informiert mich darüber, daß ich jetzt online „an der live-Aktivität „Hunderunde“ teilnehmen“ kann. Das kann ich deshalb tun, weil ich ebenfalls bei Garmin livetrack registriert bin und der Prinz mich mit seinem account dort verknüpft hat. Klicke ich auf den link in der Mail, öffnet sich automatisch der Browser in Google maps und zeigt mir, wo der Prinz und Herr Sonntag gerade gehen. Der Prinz ist dargestellt durch einen pulsierenden blauen Punkt, der sich vorwärts bewegt. Auch hier kann ich zwischen normaler Karte und Satellitenbild hin- und her schalten. Meist schaue ich mit die Tour auf dem Satellitenbild an. Es macht mir Spaß, zu raten, ob die beiden wohl an der nächsten Kreuzung abbiegen werden und wohin, oder zu welchem der umliegenden Dörfer sie als Nächstes marschieren. Im unteren Bereich der Karte kann ich die Kurven der Herz- und Pulsfrequenz des Prinzen, die Zahl seiner gelaufenen Kilometer sowie seine Schrittgeschwindigkeit ablesen. Da die Wege voller Schlaglöcher sind, möchte der Prinz ausdrücklich, daß ich seinen blauen Punkt auf der Karte im Auge behalte, falls er mal in eines der Schlaglöcher stolpern und sich den Knöchel brechen sollte. („Wenn sich der Punkt nicht mehr bewegt, kannst du einen Krankenwagen hinschicken“. (Haha, ja, total beruhigend.))

Die übliche Strecke der beiden  sind zehn Kilometer. Meist sind sie nach zwei Stunden zurück, zur Zeit oft schlammbedeckt, aber super gut gelaunt. Vor allem Herr Sonntag liebt diese langen Touren, er ist, wenn er heimkommt, fröhlich, aufgedreht und putzmunter. Er liebt es, zu laufen und Neues zu entdecken. Leider können wir ihn noch nicht von der Leine lassen, da er noch zu gerne spontan mal einem Fasan oder Karnickel nachrennt, aber die sind klüger und fixer als er 😀  Dennoch bleibt er angeleint.

Liebe Christiane, das war jetzt einfach nur eine Schilderung der Gassi-Abläufe bei uns. Die Abwechslung besteht im Variieren der Wegstrecken ( da gibt es hier zwischen den Dörfern genug Möglichkeiten.) Liebe Grüße an Kaya!

 

Tschüß, Frau K.

Gestern Abend von unseren Vermietern gehört: Die liebe alte Dame von schräg gegenüber ist vorgestern Morgen gestorben. Ich bedauere das sehr, ich mochte sie gern, sie war ein echter Charakter.

Als ich noch fit war, habe ich ihr hin und wieder beim jährlichen Kerwe-Umzug ausgeholfen. Und an ihrem Geburtstag „mußte“ ich immer furchtbar viel Kuchen bei ihr essen (Sie hatte große Zauberkräfte, was das Backen betraf!). Sie mochte den Prinzen und mich gern und „zwang“ uns dazu, ungeheure Kuchenmengen zu verputzen. Zudem packte sie uns beim Abschied  immer noch Kuchenpäckchen zum Mitnehmen, die uns für Tage reichten. Unzählige Postakete nahm sie für uns an.

Sie wurde vor einigen Jahren altersbedingt krank, hatte eine Herzoperation und erholte sich nicht mehr richtig. Sie litt darunter, denn sie gehörte zu denen, die immer herumwuseln und etwas tun müssen. Sie hatte ein Händchen für Orchideen, und ihren Tips  verdanke ich es, daß unsere Orchidee namens Susan (nach Neil Gaimans  „Black Orchid“)  jedes Jahr neu blüht und seit Jahren gesund und munter ist.

Ich weiß nicht genau, wie lange es her ist, daß die Vollzeitpflege zu Hause nicht mehr reichte. Frau K. war bettlägerig und vor einigen Jahren zog sie ins Pflegeheim im Nachbardorf. Seit Wochen nun wollte ich mich bei ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter nach ihr erkundigen, aber  habe mich vom Alltag zu sehr einfangen lassen – „wenn ich die beiden mal wieder sehe“. Ich hab’s nicht getan. Gestern Abend, als wir von der Hunderunde zurückkamen, standen Sohn und Schwiegertochter sowie unsere Vermieter drüben vor dem Tor und redeten.  Unsere Vermieter kamen herüber und  erzählten es uns (die alte Dame war eine entfernte  Verwandte unserer Vermieterin gewesen).

Sie wird mir fehlen, ihr verschmitzter Humor ebenfalls, und natürlich ihre himmlischen Käsekuchen.

Machen Sie’s gut, Frau K.! Danke für Ihre liebevolle Fürsorge! Wir werden Sie nicht vergessen!