Ostern im Lüttje Huus (Nachtrag)

Wieder war es eine gute Entscheidung, erst nachmittags zu fahren, denn wir kamen am 11.April ( Donnerstag) gegen Mitternacht im Lüttje Huus an, völlig streßfrei, über eine leere Autobahn. Herta hatte schon die Heizkörper aufgedreht (sie ist wirklich ein Goldstück!). Ralf, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG,) hatte uns kurz vorher per Mail die Info geschickt, daß die IG-Mitglieder am Samstag eine Fahrt durchs Dorf machen und Material für das Osterfeuer (Grünschnitt, Holzreste…) einsammeln wollten. Darauf freute sich der Prinz schon. Die Leute in der IG sind, wie der Prinz sagt, „eine lustige Truppe“. Der Traktor mit dem Anhänger fuhr von Haus zu Haus (bei eisigem Wind!) Auf dem Hänger saßen frierend die Sammler, meist schon auf Haufen gesammelten Brennmaterials. Die Spender legen ihr Material vor ihrem Haus ab (und sind dankbar, es so leicht loszuwerden). Es besteht die Übereinkunft, daß die Sammler das Grundstück selbstverständlich betreten dürfen, um das Zeug auf den Anhänger zu laden. Ist alles eingesammelt, geht es weiter zu dem Feld, das Tinus für das Osterfeuer zur Verfügung stellt. Dort schichten die Sammler das gesammelte Zeugs zu einem riesigen Haufen auf (etwa drei mal fünf Meter Grundfläche, die Höhe kann ich schlecht schätzen, ist aber wesentlich höher als ich!).

Anschließend an die harte Arbeit trafen sich alle noch mal „kurz“ im Gemeindehaus, das nur wenige Schritte vom Lüttje Huus entfernt steht. Dort gab es, wie der Prinz mir erklärte, als er in seinen Mittagsnickerchen – Sessel sank, „Gansch viele Jägermeischder“. (wie ich später herausfand, waren darunter wohl auch etliche „Kurtsche“ 😀 😀 😀

Am Freitag kam Herta, wie sie das oft tut, zum Tee herüber. Da sahen wir Ralf, den Vorsitzenden der IG, zu Hertas Haustür laufen. Der Prinz öffnete schnell das Fenster. „Ralf? Herta ist hier bei uns“, rief er. Ralf drehte um und kam schnell zurück. In schnellem Platt regelten er und Herta noch einige Details zu ihrem Feuer-Beitrag. (Ich bin gerade dabei, Plattdüütsch zu lernen, aber Herta redet mir noch zu schnell 😉 )

Nach der Sammelaktion sollte es für alle etwas zu Essen im Gemeindehaus geben, um 12 Uhr.

„Hör mal, Ralf“, sagte ich, du kennst den Ablauf doch – gibt es für mich eine Möglichkeit, irgendwo zu helfen, auch mit einer Hand? (Denn selbstverständlich wissen hier alle 180 Nachbarn Bescheid, daß die Frau, die jetzt in Beckmanns Haus wohnt, einen „Gehirnschlag“ hatte und deswegen behindert ist). Das war nicht soo klug von mir, denn der arme Ralf wurde tödlich verlegen, wand und wand sich und wußte nicht, was er sagen sollte. Hier in unserem Wormser Dörfchen gehen die Leute inzwischen ganz natürlich mit mir um, ohne Verlegenheit. Herta bemerkte Ralfs Not, kam zu mir, stupste mich an und sagte lächelnd: „Du – ich mach‘ da nix!“ Ich sagte zu Ralf: „Ach, weißte – ich komm einfach rüber und guck mal, was ich tun kann.“ Ralf war sehr erleichtert. Wie sich aber herausstellte, hatte die IG bei einem Metzger Gulaschsuppe für alle bestellt. Diese gab es – pfuiba! – in Plastikschüsseln, so daß Geschirrspülen wegfiel. Dann wurde es düster und stürmisch draußen und es gab erstmal Schnee, dann Hagel. Einfach nur widerlich. Der Prinz schaute kurz bei mir rein und sagte: „Willst du wirklich rüberkommen? Die sitzen alle draußen!“ Damit war das Thema für mich erledigt 😀

Es war auch niemand böse, daß ich mich bei diesem Wetter vornehm zurückhielt.

Der Prinz hatte mir eine Portion der Gulaschsuppe mitgebracht, aber der Koch hatte viel Paprika hineingetan und Paprika ist für mich das widerlichste und überflüssigste Gemüse unter Gottes Sonne.) Ein ekelhafter Geschmack! (*winkt mit einem Broccoli zu Herrn Norden rüber*) :D)

Zum Glück ißt der Prinz das gerne und kümmerte sich um meine Suppe.

Am Samstag waren wir noch bei Edda und Tinus eingeladen – und ich bin hingelaufen! Das klingt wohl großartiger, als es ist. Ein normal laufender Mensch geht die Strecke – rund 250 Meter – wohl in fünf Minuten – zehn, wenn er gemütlich langsam geht. Ich habe 40 Minuten gebraucht. Ok, das Bein war müde, weil wir gerade vom Deich kamen, aber der Weg erschien mir dennoch sehr lang. Edda und Tinus drückten und küßten mich und sagten mir, sie seien sehr stolz auf mich hach Das tat gut! Edda machte Tee, für den ich sehr dankbar war. Dazu gab es Zitronenkuchen und Mandelkekse und ich schlug ordentlich zu 😀 Das Wetter war warm und sonnig – sensationell! Gut zwei Stunden lang saßen wir auf der Terrasse und beobachteten die Vögel in der großen alten Eibe, in und unter der Tinus ihnen Futter-und Nistplätze anbietet. Der Prinz und ich beschlossen, im Garten des Lüttje Huus ebenfalls Nistkästen aufzuhängen. Auch ein „Insekten-Hotel“ haben wir geplant, und ich hätte dazu gern einen Nistkasten für Fledermäuse.

Hier in unserem Wormser Häuschen kommen die Vögel trotz Futterangebotes nicht in den Hof, weil da Micia und Pippi herumlaufen. Umso mehr freue ich mich auf lange gemütliche Sommerabende auf der Lüttje-Huus-Terrasse!

Nach Tee und Süßkram fühlte ich mich gut genug, um den Weg von Tinus‘ Hof zu uns nochmal zu laufen. Und schaffte es auch gut!

Dann kam der Karsamstag und mit ihm mein Cousin Mike mit Frau, Tochter und seinem Vater (Hans ist für mich ein großer Bruder; sozusagen das „Gegenstück“ zu Gerrit, dem Bruder meines Vaters, der im letzten Jahr starb, nur eben auf der mütterlichen Seite.)

Noch vor unserer Abreise zum Lüttje Huus hatten der Prinz und ich hier im Wormser OBI eine ganz flache Duschtasse, eine Duschentür und eine Duschenwand für‘s lüttje Huus bestellt, zum Abholen bei OBI in Emden. Große Überraschung: Der Emder OBI lieferte uns den Bausatz per Spedition bis an die Haustür. DAS nenne ich mal Service und Kundenbindung!

Mike und der Prinz arbeiteten gemeinsam an der Dusche. Zu zweit ging es so schnell, daß wir danach noch Zeit hatten, alle zusammen zu Ottos Leuchtturm nach Pilsum zu fahren. Mit dem Auto kommt man nicht ganz ran an den Turm. Aber ein Stück entfernt ist ein Parkplatz, von dem aus man auf dem Deich zum Turm laufen kann. Auf dem Parkplatz steht ein Imbißwagen, ein Familien-Unternehmen, dessen Inhaber köstliche Pommes, Backfisch und viele andere leckere Sachen anbieten.Auf der Seite des Wagens kann man die Zeichnung eines Ottifanten bewundern, mit einer sehr lieben Widmung von Otto. Wir luden meine Familienbande zum Essen ein und saßen gemütlich in der Sonne. Das war eine schöne Nachmittagsstunde!

Der Prinz und ich freuen uns an unserer wunderschönen neuen Dusche, schaut mal hier, das ist die alte:

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Man sieht, daß der Einstieg hoch ist (31 Zentimeter, zu hoch für mich, dazu war die Duschtasse auch sehr tief.)

Hier dagegen die neue Dusche:

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Die braunen Fliesenauf der Stufe  sind rauh, also rutschfest. Mike hat die Dusche so konstruiert, daß ich von der Stufe aus auf der gleichen Ebene mit der sehr flachen Duschtasse bin. Endlich duschen ohne Streß! \o/

Abends am Karsamstag war Osterfeuer bei Tinus, es brannte schon, als wir eintrafen. Ein wenig schauten wir noch und quatschten ein bißchen mit verschiedenen Leuten, die sich freuten, daß wir gekommen waren. Mike sagte begeistert:“Ich finde es so toll, wie herzlich die euch hier aufnehmen!“ Dann war es für die vier aber Zeit zum Aufbruch, es sind immerhin drei Stunden Fahrt zurück in den Pott.

Als das Feuer größtenteils abgebrannt war, setzten wir uns zu den anderen in die Scheune. Wir schätzten, daß das ganze Dorf anwesend war (bei 180 Einwohnern nicht schwierig). Zum Glück fand ich einen Sitzplatz am Rande einer der Sitzbänke, denn Bierzelt-Garnituren sind für mich schwierig, vor allem mit der Orthese am linken Bein. Zwei Frauen rückten und machten mir Platz, sie waren sehr herzlich. Der Prinz beschaffte mir ein Bratwurst-Brötchen und ein alkoholfreies Bier, dann war er schon im Gespräch mit der „Rentner-Gang“ der IG. Die nette ältere Dame neben mir stellte sich als die Frau des Ortsvorstehers vor (sie ist also das Woquarder „Gegenstück“ zu meiner hiesigen Filmfreundin, witzig!) Herta saß einen Tisch hinter mir. Immer, wenn ich mich zu ihr umdrehte, strahlte sie mich an. Sie freute sich, daß wir uns wohlfühlten.

Übrigens hören wir immer öfter die Frage:“Wann kommt ihr denn nun?“ Sie warten wirklich darauf, daß wir endlich nach Woquard ziehen! Das ist SO lieb!!! Wir haben schon so oft erklärt, daß der Prinz noch ein paar Jahre arbeiten muß, bis er in den Ruhestand gehen bzw. „Altenteiler“ werden kann, wie die Friesen sagen…mal kommt die Antwort „Och, doch noch so lange? Schade!“ Oft lacht die Person auch und sagt:“Na, das Woquarder Autokennzeichen habt ihr ja schon!“ (Unser kleiner treuer Nissan steht immer in der Einfahrt, so wissen alle, daß wir mal wieder da sind. Er trägt das KFZ-Kennzeichen“WO“ (für Worms, das passt natürlich auch prima für Woquard 😉 ).

Am Osterfeuer-Abend setzte sich ein Mann zu uns, der uns anstrahlte und sich vorstellte: “Ich bin Werner, Hertas Sohn!“ Der Prinz und ich freuten uns, ihn zu treffen (der Prinz kennt Werners Bruder Hinrich schon seit einer Weile). Werner bestand darauf, uns seine Tochter und seinen Sohn vorzustellen, und wir hatten es schön gemütlich und sehr lustig zusammen, zu Hertas großer Rührung und Freude. „Da könnt ihr euch aber “von“ schreiben, daß Werner sich so einfach zu euch gesetzt hat!“ sagte sie (Offenbar ist Werner eher ein etwas stiller Mensch, der nicht so locker auf Fremde zugeht). Werner fragte, wie wir mit der plattdeutschen Sprache zurechtkämen. Ich erklärte ihm:“ Geht ganz gut, und wenn es mal hakt, schummele ich mich mit Niederländisch durch.“ Werner lachte und nickte. „Ja, das geht immer,“ sagte er. Was ich interessant finde: Tinus erzählte mal, daß in seiner Jugend ( er ist 78) das Gesangbuch in der Kirche komplett in Niederländisch gedruckt war. Die beiden Sprachen sind sich wirklich sehr ähnlich. Als ich Werner erzählte, daß ich sogar ein Plattdeutsch-Lehrbuch besitze und damit übe, war er völlig fasziniert. Wir vereinbarten, daß er mal zum Tee anklingelt und ich ihm das Buch dann zeige.

Der Ostermontag war so warm und sonnig, daß wir zum ersten Mal mit einem Bier im Garten sitzen konnten – wunderbar! Der Prinz ließ dafür sogar sein neues Lieblings-Werkzeug liegen: eine Machete. Am hinteren Ende unseres Gartens gibt es so etwas wie eine Dornröschen-Hecke aus Brombeerranken und Efeudschungel. Darunter verbergen sich die zusammengefallenen Reste einer kleinen Holzhütte, in der der Erbauer des Lüttje Huus in den 40er Jahren Kaninchen gehalten hatte.

Die Grundstücke sind so geschnitten, daß Hertas Schlootnachbar ganz hinten im Gartenbereich auch unser Schlootnachbar ist. Dieser alte Herr hat nun Angst, daß das Efeu in seinen Schloot-Anteil fallen und ihm damit Mehrarbeit verursachen könne. So pingelig-nervig das auch klingt – eigentlich ist er ganz nett und locker,wie der Prinz sagt. Er ging mit dem alten Herrn zur Hasenstall-Ruine, ließ ihn sein Herz ausschütten und versprach ihm, den bösen Efeu zu entfernen. Das tat er auch mit viel Elan und Spaß, mit seiner neuen Machete, die wirklich ein respekteinflößendes Werkzeug ist. Sie schneidet mühelos durch dicke Brombeerranken und verholzte Efeu-Äste, sehr beeindruckend! Jetzt liegt die Hasenstall-Ruine einigermaßen frei und wir sind noch nicht sicher, ob das alte Holz im nächsten Jahr ins Osterfeuer kommt oder ob wir es aufbewahren wollen, bis wir richtig einziehen, denn dann wird es zwei Kaminöfen im Huus geben und wir sind vielleicht froh um das Heizmaterial. An den Platz des Hasenstalles soll mal ein Gartenhaus treten,

nach Möglichkeit dieses hier:

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(c): Gartenhaus-GmbH – danke für die freundliche Genehmigung!

 

Nun, am Dienstag nach Ostern trennten wir uns (wie immer widerwillig) vom Lüttje Huus und von Edda, Tinus und Herta und schafften es in sagenhaften fünf Stunden zurück nach Worms. Die Katzenmädels waren entzückt, daß wir wieder da waren. Ich hatte mein Pippilein sehr vermißt, vor allem beim Einschlafen. Freundin und Lieblingsnachbarin Wiltrud hatte die beiden gefüttert, so waren die Mädels schön entspannt. Erst gegen halb zwei fielen wir ins Bett. Beide Katzen warteten darauf, daß ich endlich unter der Bettdecke verschwinden möge, als plötzlich die Luft im Schlafzimmer in einem lauten Geschrei und Fauchen explodierte: Pippi warf Micia raus! Sie blieb die ganze halbe Nacht eng bei mir liegen, ohne sich zu bewegen <3 .

Seit wir zurück sind, geht das Pippilein schon gegen 21 Uhr ins Bett und wartet auf mich. 😀

Das nächste Mal werden wir über Fronleichnam dort sein (kein Feiertag in Niedersachsen), und der jüngste Bruder meines Vaters und seine Frau werden uns besuchen, darauf freue ich mich!

Oops…

Hey, my darlings!

Seit elf Tagen habe ich mich hier nicht zu Wort gemeldet. Der Grund: Am vorletzten Montag bin ich mal wieder gestürzt (weil das ja so viel Spaß macht *Augenrollgeräusch*); und diesmal habe ich’s richtig gemacht, mit Besuch der Notaufnahme im Klinikum.

Here goes: Ich hatte am PC zu tun und musste mal zur Toilette. Ging zur Toilette (die erreicht man bei uns nur durch das Büro, weil die früheren Hausbesitzer sie erst in den 70er Jahren an das Haus angebaut haben) und dann erinnere ich mich nur noch daran, daß ich nach links/hinten wegkippte und heftig mit Ellbogen, Schulter und Kopf am Schreibtisch anschlug. Da ich am Bein noch die Orthese trug, war ich nicht sehr beweglich. Außerdem hätte ich eh nicht aufstehen können, weil ich in einer Pfütze aus Milchkaffee lag und das den Fliesenboden rutschig machte.  Als ich mich aufsetzte, klirrte etwas und ich sah, daß an meinem rechten Bein Bruchstücke meiner Lieblings-Uli-Stein-Kaffeetasse! AAAARGH!!! lagen, deren Bruchkanten sehr scharf aussahen. Es war – ausgerechnet! –  die schwarze Tasse mit der frechen Maus drauf, die selten ist und die man nur noch mit Glück bekommt.

[Erzähler: Sie hat sie bei Ebay nochmal gefunden.]

Beim Versuch, die Splitter beiseite zu legen, holte ich mir einen saftigen Schnitt am rechten Mittelfinger, der wie die Sau blutete. Da saß ich nun wie Ölleken Doof auf dem Boden zwischen der Toilettentür und meinem Schreibtisch und wußte nicht weiter. Der kleine Herr Sonntag hat unter jedem unserer beiden Schreibtische ein Schlafnest. Ich zog eine seiner Millionen Kuscheldecken heraus und versuchte, darauf in die Küche zu rutschen (muß ein genial lustiger Anblick gewesen sein). Der kleine Herr Sonntag war draußen im Hof und war sehr beunruhigt. Er schlug mit der Pfote gegen die Glastür und jaulte und bellte. Der Bär war richtig panisch, er wußte, daß da was passiert war.

Zum Glück sah ich, daß mein Hänti auf der Schreibtischkante lag. Ich konnte es mit der rechten Hand erreichen. Griff es mir und rief unsere Vermieter an. Kurz erklärte ich Jürgen, was passiert war und daß ich nicht mehr aufstehen könne. „Bin sofort da“, sagte Jürgen. Ich zog mühsam die Orthese aus, damit sie nicht störte. Schon hörte ich das Klappen der Scheunentür und Jürgens Stimme. Das Bärchen drängte sich neben Jürgen durch die Haustür und rannte sofort zu mir, sehr besorgt. Ich bat Jürgen, sich hinter mich zu stellen, mich unter den Achseln zu greifen und mich hochzuhieven. Das klappte super, und sobald ich stand, kam schon Marika herein, sie war etwas erschreckt und sehr besorgt. Sie stützte mich und ging langsam mit mir rüber in die Küche. Erleichtert ließ ich mich auf meinen Stuhl plumpsen und trank auf den Schrecken erstmal eine halbe Flasche Mineralwasser. Marika machte Küchenpapier naß und wusch mir das Blut von der Hand. Jürgen entfernte in der Zeit das Blut vom Türrahmen an der Pipibox und räumte die Sachen auf, die ich wohl im Fallen von der Kommode heruntergerissen hatte. Ich versuchte mich zu erinnern, warum ich die schwarze Maus-Tasse in der Hand gehalten hatte, aber genau diese Sekunden vor dem Sturz waren weg (sind sie immer noch. Ich nehme an, daß ich die Tasse ausspülen wollte, weil noch Kaffee darin war.)

„Da hast du ja noch mehr Blut!“ sagte Marika besorgt, hielt ein Küchentuch unter kaltes Wasser und wischte mir an der linken Schläfe herum. Ja, da war ziemlich viel Blut. Als das aufhörte zu tröpfeln, bereitete mir Marika ein Schinken-Käse-Sandwich mit dem Sandwich-Toaster zu, damit ich wieder auf die Beine käme. Es tat wirklich gut, etwas Kräftiges zu essen. Ich rief den Prinzen an, um ihn vorzuwarnen. Er saß bereits im Zug. Meine beiden rettenden Engel vergewisserten sich -zig Mal, ob sie mich wirklich allein lassen könnten, dann gingen sie zögernd wieder rüber. Kurz darauf war der Prinz da. Mein linker Ellbogen tat höllisch weh (ich war da wohl draufgefallen.) Da unser Hausarzt auch Notfallarzt ist, überlegten wir, erstmal dorthin zu fahren statt in die Notaufnahme, so rief der Prinz in seiner Praxis an. Der Doc schickte uns aber doch gleich ins Krankenhaus, weil, wie er sagte, mein Arm sowieso geröntgt werden müsse. In der Notaufnahme waren alle sehr nett. Wir hatten mit vielen Patienten gerechnet, aber alle Wartebereiche waren leer. Der sehr nette diensthabende Arzt schickte mich zum Röntgen des Ellbogens. Die Rö-Assistentin hatte etwas Probleme, weil ich den Arm nicht mehr mit der Handinnenfläche nach oben drehen kann, seit die Platte daran verschraubt ist (wegen des gebrochenen Handgelenks durch den Sturz an Weihnachten 2014).

Dennoch schaffte sie ein gestochen scharfes Foto, wie wir danach beim Arzt auf dessen PC sahen. Ellbogen völlig ok, sah ich erleichtert, aber der Arzt wollte sich die Platzwunde an meiner linken Schläfe näher ansehen. Er zeigte mir ein Plastiktütchen mit etwas, das aussah wie die Kanüle einer Spritze (aber aus Kunststoff), nur ohne Kolben. „Fibrinkleber, exklusiv für Sie“, grinste er. Er bat seinen Kollegen, sich neben mich zu setzen und mich, meinen Kopf auf die kollegiale Schulter zu legen. So bearbeitete er in Ruhe die Wunde. Zum Glück spürte ich das gar nicht. „UHU flinke Flasche“ nannte der Prinz das später, als ich ihn fragte, was genau der Arzt da getan hatte.

wunde

 

Dann erklärte der Arzt  mir, ich müsse nicht im Krankenhaus bleiben. „Obwohl , wenn Sie sich dann sicherer fühlen, kann ich das für Sie möglich machen“, sagte er, und mir dämmert erst jetzt, daß er möglicherweise glaubte, der Prinz sei gegen mich gewalttätig geworden, zumal mein linkes Auge langsam schöne bunte Farbtöne annahm, und dass mein „Hinfallen“ zu Hause eine der typischen Ausreden sei, wenn Männer zu Hause übergriffig werden. (Buchtipp hier: Roddy  Doyle: “The Woman Who Walked Into Doors“) Ich beruhigte ihn mit der Auskunft, der Prinz habe mir für den Abend bereits Pizza versprochen. Der Prinz darauf: „Was? Wann?“ (Arzt: *grins*) Die Frage des Arztes, ob ich Schmerzmittel brauche, beantwortete ich mit der Wahrheit: „Danke, ich bin voll Ibu-gedopt.“ (Ich hatte gut 1600 Milligramm intus.)

Als wir zu Hause einliefen, war das Bärchen ungeheuer erleichtert und wich uns nicht von der Seite. Er suchte meine rechte Hand, an der ich mich geschnitten hatte, und prüfte, ob er da noch mehr Blut ablecken müsse. Ich verschwand so schnell wie möglich im Bett, diesmal mit Baldrian gedopt. Ich halte große Stücke auf Baldrian, mir hilft er sehr gut beim Einschlafen.

Wie erwartet, schlief ich tief und fest auf den Schrecken. Ich erwachte schmerzfrei und ging den Tag ruhig und entspannt an. Hubert, mein Physiotherapeut, massierte mir in der nächsten Physio-Einheit den Bizeps und den Trizeps, die ich mir beide heftig gezerrt hatte und die bretthart waren. Das tat sauweh.

Arm

 

Tja, und seitdem habe ich mich hier nicht mehr gemeldet – ich hatte keine Lust, zu kommunizieren, ich wollte nur schlafen und alleine sein und es still haben. Offenbar war das Ganze doch ein ganz schöner Schock für mein System gewesen. Jetzt geht es mir wieder gut (Schlaf und Stille sind die beste Medizin für mich) – ich habe gestern Nachmittag den ersten Amarenabecher des Jahres gegessen, mit drei Frauen hier aus dem Dorf: der Kollegin des Prinzen, der Filmfreundin, und einer tollen Frau aus dem Ortsbeirat der CDU.  Esther und Alessio freuten sich sehr. Sie haben herrliche neue Eissorten, darunter „Whisky-Crème“ – sehr lecker! Jetzt warte ich nur noch auf unseren kleinen Oster-Urlaub im Lüttje Huus \o/.

Und die tolle Uli Stein -Kaffeetasse habe ich tatsächlich nochmals bei Ebay gefunden – funkelnagelneu, noch in ihrer Original-Schachtel, dabei kam sie schon 1995 raus!

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(Foto: D.Richter)

Mir geht es wieder sehr gut. Nur der Filmriß stört mich, mir fehlen die Sekunden zwischen dem Verlassen der Toilette und dem Sturz. Keine Ahnung, warum ich die Maustasse in der Hand hatte… Auf dem Klo trinke ich bestimmt keinen Kaffee 😀 Na, die Sache ist überstanden, was soll’s also…

Ich wünsche euch noch eine schöne Restwoche, dearies!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ersatzrolli und Glühwein :D

Hello my dearies,

gestern hatten wir einen gemütlichen Abend im Dorf  und ich hatte eine Gelegenheit, den Ersatz-Rolli zu testen, den ich jetzt so lange habe, wie Olli in Reparatur ist (seine linke Bremse muß mal wieder nachgestellt werden).

Der Ersatzrolli ist ne coole Socke: er hat vier gleich große Räder (Luftreifen!), Scheinwerfer nach vorn und rote Leuchten nach hinten, und er hat Blinker!! einself! An den Hinterradantrieb und die kleineren Räder mußte ich mich erstmal gewöhnen. Auch daran, daß er nur dann wenden kann, wenn er rollt. Herumdrehen im Stand, wie Olli das kann, macht er nicht mit. Leider ist er so groß und schwer, daß er nicht ins Auto paßt, das bindet uns natürlich. (Andererseits zwingt mich das auch zum Laufen, wenn wir mal wegfahren wollen, ist also nicht soo schlimm.)

Gestern Abend hatte der Heimatverein zu einem Glühweinabend am Rathaus eingeladen, das war eine gute Testgelegenheit für den neuen Rolli und für die neue Deich-Jacke, die wirklich toll warm ist.Die Skihose über die Orthese zu fummeln war mir zu nervig, deshalb begnügte ich mich mit einer Decke auf den Beinen. Am Rathaus war schon einiges los, als wir ankamen. Einigen fiel der Rolli sofort auf, weil ich darin höher sitze als bei Olli. Der Prinz versorgte mich mit Glühwein und einer Wurst mit Brötchen, dann machten wir beide unsere „Schwätz-Runden“ durch die Gruppe. M., des Prinzen Kollegin, fragte mich, ob wir mal wieder Eis essen gehen wollten (doch, Eis geht immer! :))

Meine Filmfreundin, mit der ich neuerdings Themen-Filmabende bei uns zelebriere, ist leider krank. Aber unser nächster Plan ist ein Themen-Filmabend „Valentinstag“. Das wird lustig. Wir haben dann Wein und Knabberzeugs da und amüsieren uns. Da der Prinz ungern Filme schaut, ist es für mich als Film-aficionada natürlich wunderbar, jemanden zu haben, die meine Film-Leidenschaft teilt. Und der Prinz ist zufrieden, wenn ich ihm nicht auf den Keks gehe, weil ich glaube, daß er einen bestimmten Film unbedingt sehen muß. 😀

Habt noch einen schönen Rest-Sonntag und morgen einen guten Start in die Woche!

Unser Start ins neue Jahr (verspäteter Bericht)

Moin, meine Lieben!

Schon am 6. Januar, in der Nacht, sind wir – wie immer unter Protest – wieder hier eingelaufen. Die Katzen freuten sich sehr, sie waren gut genährt und recht gelassen. Erstaunlicherweise hatten wir hin genau sechs und zurück sogar nur fünf Stunden gebraucht – keine Staus, fast völlig freie Autobahnen. Erst nachmittags losfahren lohnt sich!
Im lüttje Huus in Woquard hatte unsere wunderbare Nachbarin Herta wieder die Heizkörper aufgedreht und sogar die Kerze in der Deko-Laterne angezündet, die im Windfang an der Haustür steht. (Hier in Worms hatten wir auch eine, auf der alten Bank vor dem Tor, aber die hat kürzlich mal wieder jemand geklaut (schon zum zweiten Mal.) So empfing uns ein heimeliges Licht, das war schön, so liebevoll!

Der kleine Herr Sonntag freute sich wie wild, als er kapierte, wo wir nach seinem langen Schlaf auf der Auto-Rückbank angekommen waren. Er flitzte wie angestochen durch alle Räume und kuschelte sich dann glücklich auf der Couch an uns.
Die nächsten zwei Tage verbrachten wir ruhig im Haus, denn es war trübe, grau, naß und kalt. Ja, auch acht Grad plus sind für mich kalt. (Herta läuft da noch mit kurzen Ärmeln rum!) Der Prinz wollte der Buche an der Grundstücksgrenze zur Straße hin einige herabhängende Zweige kürzen, weil er gesehen hatte, daß sie bei etwas höheren Autos die Dächer berührten. (Hier in unserem Wormser Dörfchen hätte uns diese Tatsache längst eine anonyme Anzeige bei der Stadtverwaltung eingebracht . 😀 ) Also besorgte der Prinz sich in seinem neuen Lieblingsladen, dem Raiffeisen-Landhandel, so eine Astschere an einem ganz langen Stiel, deren Schneiden man über einen Seilzug bedient, der wiederum über Rollen läuft. (Zwei Tage später: mega-Muskelkater 😀 )
Wir sind jetzt  übrigens Mitglieder in der IG (Interessengemeinschaft) Woquard. Das ist ein Verein, der so etwas wie die Zentrale ist, in der die Aktivitäten aller örtlichen Vereine zusammenlaufen, wie zum Beispiel das Aufstellen des Maibaumes, das Feuerwehrfest, der Tag des Boßelns, das jährliche Schlickschlittenrennen, der kleine Weihnachtsmarkt und einiges mehr. An diesem Tag war das Abbauen der Weihnachtsbeleuchtung geplant. Der Prinz gesellte sich dazu, sowohl um zu helfen, als auch um sich als „der Neue“ vorzustellen. Die Begrüßung war herzlich, wie es bei den Friesen üblich ist. Die elektrischen Lichterketten waren schnell abgebaut. Danach gab es erstmal einen Korn für alle (hey, es war schließlich ganz schön kalt! Höchstens acht Grad!). Um die Gefahr einer gefährlichen Erkältung zu verhindern, gab es zum Abschluß der harten Arbeitsaktion im Gemeindezentrum noch Grog 😀 Der Rum, den sie dafür verarbeiteten, heißt „GS Holborn“ (Lecker – haben wir jetzt auch hier Zuhause 🙂 ) Der Vorsitzende (V) der IG tippte dem Prinzen beim Schlürfen auf die Schulter.
V: „Weißt du, warum auf der Flasche „GS“ steht?“
Prinz: “Nee…?“
V, trocken: “Grippeschutz.“
Wissta Bescheid,nä? 😀 😀 😀

Dann erwähnte ich mal im Gespräch mit Reinhardine, Tinus‘ Schwester, daß ich mir eine Skihose für Spaziergänge auf dem Deich bestellt hatte. (Ja, Reinhardine ist ein üblicher friesischer Frauenname). Allerdings hatte ich beim Bestellen aus Gewohnheit auf Größe M geklickt und nicht bedacht, daß ja die Jeans und die Orthese noch darunter passen müssen. Linkes Hosenbein also wegen Orthese zu eng, Rücksendefrist für Buxe schon abgelaufen. In Friesland ist es im Dorf durchaus üblich, daß Leute einfach mal so zum Schnacken reinschauen. Dann kocht man Tee und stellt Kekse und/oder Krintstuut (→Korinthenstuten, also süßen Stuten mit Rosinen) mit Butter drauf dazu und macht es sich gemütlich. Früher wäre das für mich Alptraum pur gewesen, aber jetzt, in Woquard, macht es mir Spaß, wenn jemand spontan hereinschaut. Meist ist das Herta, und wir schnacken dann immer sehr lustig und gemütlich miteinander. Diesmal war es Reinhardine, die kam und mir ihre Skihose anbot, die sie nicht mehr trägt. Das fand ich SO lieb!
Am nächsten Tag kam sie nochmal kurz rein und sagte:“Ich habe gar nicht daran gedacht, daß du ja größer bist als ich – die Hose könnte dir zu kurz sein!“
Da mußte ich lachen. „Reinhardine“, grinste ich, „ich bin vor allem breiter als du, ich bekomme sie vermutlich gar nicht über die Hüften!“ Das stellte sich leider als zutreffend heraus ( weiße Schokolade! :), aber nächste Woche kommt eine andere, die ich bestellt habe (diesmal größer).
Am Heiligabend machte der Prinz “traditionsgemäß“, wie er sagte, Kartoffelsalat mit Würstchen.Wir hatten es gemütlich, und zum ersten Mal hatten wir uns für einen künstlichen Weihnachtsbaum entschieden, von Fairytrees. (Gern hätte ich den Kunstbaum meiner Großeltern mitgenommen, aber von ihren Sachen ist nichts mehr da, und diejenigen, die nach ihrem Tod die Wohnung ausgeräubermt haben, verweisen mich bei Fragen geschickt untereinander hin und her.)
Jedenfalls fanden wir unseren Baum sehr schön und gemütlich (ich kann Fairytrees empfehlen, tolle Qualität!).
Der Prinz überraschte mich mit diesen beiden Schätzen aus meiner Wunschliste bei Tante Amazonien:

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David Crystal ist Professor für Linguistik an der University of Hull in England und einer meiner bewunderten Helden. Sein Sohn Ben Crystal ist ebenfalls Linguist (Spezialgebiet: Shakespeare). Er ist Shakespeare-Schauspieler und -Regisseur – er hat im Globe Theatre dafür gesorgt, daß sie dort Williams Stücke auch in OP (=original pronunciation), also in der damals üblichen Aussprache, aufführen. Für Leser, die sich gern näher mit Shakespeare, seinen Werken und seiner Zeit beschäftigen möchten, sich aber an das Thema nicht recht herantrauen, hat Ben Crystal das wunderbare, sehr hilfreiche und informative Buch Shakespeare On Toast geschrieben. Ich empfehle es sehr!
Mein neues herrliches Wörterbuch enthält Worte des Englischen, die damals zur Alltagssprache gehörten, heute aber kaum noch bekannt sind (Shakespeares Königin war Elizabeth I.), sowie Worte, die The Bard sich einfach ausgedacht hat (das sollen viele gewesen sein). Die beiden Crystals erklären jedes Wort in diesem Buch an einem Beispiel aus einem Stück Shakespeares. Dazu gibt es Sahnehäubchen wie Extraseiten mit Begriffen wie zum Beispiel Kleidungsstücke,

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Waffen und mehr. Wenn ihr mehr wissen wollt, gebt bei Juhtjuhp einfach „Ben Crystal“ ein und genießt! Viel Spaß!

Ach ja, das andere Buch hat mich deswegen interessiert, weil ich weiß, daß in den 1830er Jahren Leute aus meiner Familie (väterlicherseits) in die USA ausgewandert sind. Es gibt unseren Nachnamen unter Anderem in Texas und Colorado. (Leider ist ja auch ein gewisser Friedrich Trump ausgewandert – wie sehr ich wünschte, er wäre in Deutschland geblieben – oder er hätte ein Kondom benutzt!

Die Feiertage, ich gestehe es, verbrachten wir dekadent mit Essen und Schlafen. Der Prinz hatte beim Einkaufen Wildgulasch entdeckt und gleich etwas mehr für die Feiertage mitgebracht.Dazu machte er abwechselnd Klöße und Nudeln. Daß an Süßkram auch kein Mangel herrschte in diesem Urlaub, zeigen meine Taille und meine Hüften jetzt 😀 😀 😀

Der Prinz bekam von mir bunte Geschenke: Es „asterixte“. 🙂
1. Die Trabantenstadt. Ich schenkte ihm dieses Asterix-Buch, weil eine seiner Leidenschaften (und Fachgebiete) neben Fotografie, Grafik und Jura die Architektur ist. Das eigentlich wunderschöne Heidelberg hat einen sehr häßlichen Stadtteil, der fast nur aus Hochhäusern besteht, er heißt Emmertsgrund. Man kann die Hochhhausklötze von der Autobahn aus sehen, gegen den Hintergrund des waldigen Hanges wirken sie noch häßlicher. Der Prinz steht aber auf Wolkenkratzer-Architektur und sagt jedes Mal: “Hach… die Trabantenstadt!“Das speicherte ich dann im Hirn-Ordner „Schatz-Geschenke“ ab.

2. Asterix und Kleopatra (der Film). In den letzten Monaten hatten wir bei Terra X und anderen Doku-Kanälen via Netflix einige spannende Dokus über die Sphinx gesehen und jedes Mal lachend gesagt:“… nur schade, daß Obelix die Nase kaputtgemacht hat!“ Eine der Dokus hatte zu unserem Entzücken sogar den betreffenden Ausschnitt des Trickfilms gezeigt! Also wanderte der Film ebenfalls in den Ordner. Der Prinz freute sich darüber ebenso sehr wie ich mich über seine Bücher, es war eine sehr schöne Bescherung. Der Prinz hatte noch eine Tiefkühl-Beerenmischung besorgt, die löffelte er in unseren Sekt, so hatten wir an Weihnachten und an Silvester ein köstliches Getränk.
A propos Silvester: Unser Vermieter hatte dafür gesorgt, daß in dieser Nacht beide Katzen sicher im Haus waren, da kann man sich auf ihn verlassen. (Tiernärrische Vermieter zu haben, ist ein echter Glücksfall!). Er hat sie täglich gefüttert, so daß sie uns ausgeglichen und wohlgenährt begrüßten, als wir heimkamen.

Da wir unseren Ersatz-DVD-Spieler noch nicht im lüttje Huus untergebracht haben, kam der Film erst jetzt (gestern Abend) zum Einsatz. Ich hatte völlig vergessen, wie nervig-hektisch die Asterix-Filme sind!

Aber auch Herta, Edda und Tinus freuten sich über unsere Mitbringsel: Herta schenkten wir einen loop-Schal, der zu ihrer Lieblingsjacke paßt, mit der sie immer mit Bella Gassi geht, sowie ein Kirschkernkissen mit einem hübschen Bezug.
Edda hatte ich beim letzten Besuch gefragt, ob sie eigentlich je das Buch gelesen habe, nach dem ihre Eltern sie benannt haben, die Edda. Sie hatte verneint, aber gesagt, daß sie sie unbedingt noch lesen wolle.
Tinus hatte einmal erwähnt, daß er den Duft von Vanille sehr möge. Beide Aussagen hatte ich mir gemerkt. Das Buch war schnell besorgt. Für Tinus, der viel Wert auf Körperpflege legt, fand ich in einer Parfümerie eine schön aufgemachte Geschenkpackung mit nach Vanille duftendem Duschgel, Bodylotion und Deostift. „Guck mal, Schatzilein!“ strahlte er Edda an. Es war deutlich zu sehen, daß beide sich sehr freuten. Das freute uns natürlich auch.
Die Woche bis Silvester verbrachten wir überwiegend im Haus. Das lag, offen gesagt, hauptsächlich an mir, da es trübe, naß, kalt und windig war. Das ist schon hier im Südwesten keine Freude, aber in Ostfriesland erst recht nicht 😉 Und da ich immer noch nur langsam gehen kann, bin ich kaltem Wind recht ausgeliefert, denn ich kann ja zum Aufwärmen (noch) nicht stramm und flott marschieren. Da bleibe ich lieber mit einem Buch und Tee gemütlich auf der Couch (derzeitige Bücherserie: „Call the midwife“, das sind die Bücher, auf der die gleichnamige BBC-Serie beruht – Kennt die jemand von euch? Wenn ja: Wie ist eure Meinung dazu?).

Silvester war nicht besonders viel los, zum Glück. Viel Ballerei gab es nicht. Hauptsächlich die Nachbarn,die Kinder haben, waren draußen. Unserem kleinen Herrn Sonntag ging das Geknalle komplett an seinem kleinen Arsch vorbei. Er war völlig unbeeindruckt. Herta war irgendwo zu Besuch, wir hätten gern mit ihr angestoßen. So gingen wir wieder rein, ins Warme, und tranken unseren Beerensekt allein. Die restliche Nacht war ruhig (Dorfleben rulez!) und die Tage bis zur Rückfahrt verbrachten wir gemütlich und in aller Ruhe. Herta kam öfter zum Tee und unterhielt uns mit Geschichten aus der Vergangenheit des Dorfes, zum Beispiel, wie 1962 eine Springflut den Deich um Woquard fast völlig zerstört hatte und wie einmal ein Blitz mit einem gewaltigen Knall in das Kirchendach eingeschlagen hatte, das damals noch mit Schiefer gedeckt war, und sie noch wochenlang danach Schiefersplitter in ihrem Garten gefunden hatte.

Am 5. Januar schafften wir es dann endlich, nach Weener zu fahren und Lars, den einige von euch als „Lobo“ hier aus den Kommentaren kennen, in seiner Buchhandlung zu besuchen. Zuletzt hatten wir uns im Mai 2010 gesehen, beim Mittelaltermarkt in Rastede, also eineinhalb Jahre vor dem Hallamati. Lars wußte natürlich, was 2011 passiert war; der Prinz hatte damals ja hier im Blog Bescheid gegeben. Umso größer war die Wiedersehensfreude. Bevor wir weiterzogen, tat ich noch etwas sehr Kluges: Ich nahm Ottos Autobiographie „Kleinhirn an alle“ mit. (Großartiges Buch, sehr zu empfehlen!)

 

otto
Der Prinz hat ein Konto bei audible und lud das Hörbuch dazu (von Otto selbst gelesen! !!einself!) auf sein Eifon, so daß wir es auf der Rückfahrt in Ruhe hören konnten. Danke für die Empfehlung, Lars!

Nun sind wir wieder hier und frieren… Herta rief gestern an, um einen „Sturmschaden am Haus“ zu melden. Der erschreckte  Prinz sah vor seinem inneren Auge schon ein halb abgedecktes Dach… bis Herta ihm lachend verriet, daß der Wind auf der Terrasse zwei Gartenstühle umgeworfen und einen davon in den Garten geweht hat! 😀 😀

Aber die Heizung ist doch nochmal ausgefallen.  Unser Engel Herta rief den Techniker an, der ein neues Gebläse einbauen mußte. Na, meinte der Prinz, da wir ja über Karneval wieder dort sein werden, sei es wichtig, daß es warm im Haus sei. Jawoll! Bin dafür! Warm ist gut! Wie geht es euch, was treibt ihr derzeit?

 

Ein glückliches 2019

wünsche ich euch, Ihr Lieben! Bleibt gesund und froh, verliebt und glücklich – und bleibt mir gewogen, das wäre schön! 😉

Hier geht schon der eine oder andere Böller hoch, aber wir knallen wie immer nicht. Dafür hatten wir gestern Abend  Herta, Edda und Tinus zu Gast, das hat viel Spaß gemacht. Tinus ist glücklich, denn Edda hat ihre Zelte in Oldenburg nun endgültig abgebrochen und ist zu ihm auf den Hof gezogen.

Dass der Vorbesitzer unseres lüttje Huus gestorben ist, schrieb ich ja schon. Im Trauerbrief stand „tragischer Unfall“ – wir vermuteten also einen Autounfall. Wie wir es uns gedacht hatten, wußte Herta mehr, denn sie hatte ja seit Jahren das Haus für Beckmanns verwaltet und somit eine enge Verbindung zu den beiden. Herr Beckmann war auf dem Heimweg von einem Termin unglücklich gestürzt, nur 200 Meter von seinem Wohnhaus entfernt. Der Sturz hatte ihm zwei Nackenwirbel gebrochen.  Eines der Bruchstücke hatte sich in sein Rückenmark geschoben und dieses so verletzt, daß er ins Koma fiel und nicht mehr erwachte. Er starb im Krankenhaus an Organversagen. Das ist so traurig.  Beckmanns haben drei erwachsene Kinder und einige Enkel – was für ein Jahresende für die Familie!

Auch für den Prinzen und mich wurde es noch traurig, denn am Tag vor unserer Abfahrt erhielt der Prinz einen Anruf. Es war der Lebensgefährte  eines unserer liebsten Bekannten. „Ich wollte Ihnen sagen, daß H.gestorben ist“, sagte er. Nachdem er nach dem Schock wieder einigermaßen habe denken können, habe er begonnen, alle Telefonnummern in H.s Handy anzurufen und die Botschaft bekannt zu machen.

So endet 2018 für uns auch wehmütig… Aber immerhin weiß ich, daß es der Chefkatze und dem Pippilein sehr gut geht. Jürgen, unser Vermieter, sagte mir vorhin am Telefon, daß sie im Haus seien und er gut aufpassen werde, daß sie heute Nacht auch dort blieben. Das ist gut zu wissen.

Feiert schön heute Nacht, sauft nicht so viel und bleibt anständig! 😛

Seid herzlich umarmt von

eurer  Lakritzefrau 🙂

Das Leben ist toll, kann aber ein Arschloch sein.

Am Freitag, also am 21., werden wir uns wieder auf die sch*** lange Fahrt gen Norden machen, my dearies,zu unserem ersten Weihnachtsfest im lüttje Huus. Am 5. Januar sind wir zurück.

Wie immer, füttert unser Vermieter die Chefkatze und das Pippilein, diesmal nicht wie sonst in der Scheune, sondern direkt im Haus. Mir ist wichtig, daß sie bei Minusgraden nicht draußen oder in der zugigen Scheune schlafen müssen, sondern sich auf der Couch oder in unseren Betten einkuscheln können. Und vor allem in der Silvesternacht möchte ich, daß sie sicher im Haus sind. Jürgen hat mir versprochen, darauf zu achten. (Wir haben wirklich Glück, so tolle Vermieter erwischt zu haben!)

Heute morgen habe ich mehrere Umschläge aus dem Briefkasten geholt. Weihnachtskarten, unter anderem von meinem Onkel (jüngster Bruder meines Papas) und seiner Frau. <3

Auf einem der Umschläge stand in unbekannter Handschrift als Adresse: „Familie [Name des Prinzen] Absender: Familie Beckmann, die Vorbesitzer unseres lüttje Huus. Ich freute mich, daß Beckmanns an uns gedacht hatten und öffnete den Umschlag. Es war keine Weihnachtskarte. Ich brauchte eine ganze Weile, bis das, was ich las, in meinem Verstand ankam. Es war eine Todesanzeige.

Herr Beckmann ist vor zwei Wochen gestorben.

„Durch einen tragischen Unfall“, steht da. Was für ein Alptraum. Wir hatten uns mit den beiden gut verstanden, Herr Beckmann war ein fröhlicher, gelassener Mensch, herzlich und gutmütig. Schön ist, daß seine Begeisterung und sein Geschick für handwerkliche Arbeiten überall im lüttje Huus sichtbar vorhanden sind. So werden wir oft an ihn denken. Aber für seine Familie muß es sehr grausam sein – zwei Wochen vor Weihnachten…an sie denke ich auch viel. Die Familie möchte Kondolenzpost nur über das Bestattungsinstitut. Das verstehe ich. Sie wollen ihn demnächst auf See bestatten, im engsten Familienkreis. Bin jetzt ein bißchen niedergedrückt und wehmütig.

 

Leckere Geschenke

Vorgestern hatten wir einen gemütlichen Abend, darlings. Peter, unser Ortsvorsteher, und seine Lebensgefährtin hatten uns zu sich eingeladen, zu einem gemütlichen Abend auf der Terrasse.

Die zwei sind gerade von einem Südfrankreich-Urlaub zurückgekommen und hatten uns etwas mitgebracht, das sie uns überreichen wollten.

Um Pfingsten herum hatte unser Dorf sein 1.225. Jubiläum gefeiert, kurz danach wurde Peter 50 Jahre alt. Da das Wetter warm und sonnig war, hatte er sich kurzerhand eines der Festzelte von der 1.225-Jahr-Feier reserviert, die noch auf dem Sportplatz standen. Der Prinz und ich waren uns nicht sicher, was wir ihm schenken könnten, so fragte ich einfach M., Peters Schwester, die zufällig auch eine Kollegin des Prinzen ist. M. und ich verstehen uns sehr gut und hängen öfter mal miteinander ab, vorwiegend in der Eisdiele bei Esther und Alessio 😉 M. verriet uns, daß Peter und seine Gefährtin leidenschaftliche Wohnmobilisten seien. Das war ein guter Tipp, so suchten wir beim Buchhändlerfreund einen kleinen Bildband über Wohnmobilreisen in Europa heraus, den wir Peter bei der Geburtstagsfeier überreichten. Er freute sich sehr. Kurz danach feierte M. Ihren 60. Geburtstag. Da sie, wie ihr „kleiner“ Bruder, in unserer Straße wohnt (unten, am Anfang), konnte ich bequem mit Olli hinrolli-en 😉  Eine weitere Kollegin des Prinzen, E, begleitete mich zusammen mit ihrem Mann dorthin (diese beiden laden uns öfter zum Essen o.ä. in ihren Wohnwagen ein, der auf einem Campingplatz am Rhein steht). Auch mit dieser Kollegin bin ich hin und wieder in der Eisdiele anzutreffen 😀 ). Bei M.s Geburtstagsfeier waren natürlich auch Peter und seine Gefährtin (die im Dorf den liebevollen Spitznamen “First Lady“ hat) anwesend. Sie erzählten uns, daß sie einen Urlaub in Südfrankreich planten, in der Provence. Der Prinz und ich gerieten gleich ins Schwärmen, denn in der Camargue haben wir mal zwei wunderschöne Urlaube verbracht. Wir rieten ihnen, unbedingt am Donnerstag den Wochenmarkt in Arles zu besuchen und dort Salami zu kaufen, die die Bauern dort in zahllosen Varianten selbst herstellen – Ente,(meine liebste) und andere Tiere, zum Beispiel Esel (schmeckt leider sehr gut, dafür schmeckt die vom Stier widerlich streng!), außerdem mit verschiedenen leckeren Zutaten wie Nüssen, Kastanien, Pistazien,etc…. Ein Traum! Außerdem beschrieben wir ihnen, wo in Arles das „Café La Nuit“ und die alte Klappbrücke aus Van Goghs berühmten Gemälden zu finden sind (das schafften sie aber zeitlich nicht mehr). Jedenfalls teilen sie nun unsere Leidenschaft für die Camargue, deshalb wollten sie uns mit leckeren Andenken beschenken: Sie brachten uns eine Flasche Rotwein, eine Flasche Olivenöl und eine Salami aus Arles mit (Sorte noch unbekannt 😉 )

Wir saßen gemütlich einige Stunden auf der Terrasse und redeten über Gott und die Welt (ich mit zwei Jacken, da es gerade mal 16 Grad waren). Wir lachten viel und deswegen fiel mir kaum auf, wie viel von dem köstlichen Rosé ich trank, den Peter von einem der Winzer hier im Dorf bezieht. Er hatte auch neuen Wein da, den ich ebenfalls probieren mußte. (Ich liebe neuen Wein!) Ich war überrascht, als ich vom Tisch aufstand, weil wir zu unserem Bärchen nach Hause wollten: Ich hatte kaum Gleichgewicht, so daß der Prinz mich an der Hand zu Olli führte 😀 (Das war übrigens eine Ausnahme – ich trinke meist Wasser oder Saftschorle, da ich wegen der Epilepsie-Medikamente mit Alkohol aufpassen muß. Aber inzwischen habe ich gelernt, wieviel noch ok ist bzw. wann ich umsteigen sollte auf Wasser etc.) Das war mal ein richtig schöner Abend *hach*, und Peter und Petra wollen das baldmöglichst wiederholen. (Na, gerne!)

Freitags-Füller # 33

FF

1.  Es kann doch nicht sein,  dass dieser herrliche Sommer schon vorbei ist?!?!.

2.   Wenn es in dem kleinen Topf blubbert und klackert, weiß ich, daß da Eier kochen.

3.   Gestern morgen hatte ich keine Therapie und habe gemütlich für mich allein geübt (ich olle Streberin :))

4.   Ich wüßte gern, wohin meine schwarzen Stiefeletten nach  dem Hallamati verschwunden sind.

5.   Mich würde wirklich mal interessieren,  obTed Cruz Schiß vor Beto O‘Rourke hat 😀. (Grund hat er meiner Meinung nach!)

6.   Netflix hat einfach großartige Dokumentationen, zu so vielen Themen!

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf die After Work Party unseres OB-Kandidaten hier am Dorf-Rathaus, morgen habe ich geplant, es unserem Besuch gemütlich zu machen (der Patensohn des Prinzen und seine Eltern kommen! \o/) und Sonntag möchte ich an meinem aktuellen Projekt arbeiten!

 

Danke schön, Barbara! (Wie immer, Barbaras Textvorgabe in normaler Schrift, meine Ergänzungen in fett/kobaltblau.)

Wer auch füllern möchte: hier

Bürgerfrühstück und #tweetdestages

Heute gab der CDU-Ortsverband mal wieder ein Bürgerfrühstück im Nachbardorf, my darlings. Das macht uns eigentlich immer Spaß, weil da nette und herzliche Leute im Freien zusammen hocken und viel gelacht wird. Mit der Orthese am linken Bein bin ich ziemlich ungeschickt und grobmotorisch beim Gehen, vor allem, wenn ich mich auf die Bank einer Bierzeltgarnitur setzen soll. Heute haben mir aber gleich drei Leute geholfen, mich zu setzen, während der Prinz nach Kaffee Ausschau hielt. Er machte mir ein Brötchen (Durchschneiden, mit Butter bestreichen und belegen, das schaffe ich mit einer Hand noch nicht wieder alleine, kommt aber!) Der kleine Herr Sonntag lag bei uns unter dem Tisch und bellte erstaunlich wenig 😉 Zwei Landwirte setzen sich zu uns und waren bald in ein angeregtes Gespräch vertieft. Landwirt A (rsch) schimpfte auf die CDU (ich fand sein Gebrabbel etwas wirr). Landwirt B winkte gutmütig ab und sagte lächelnd: „Jaja, solange du nicht bei der AfD bist…“

A:  “Aber ich bin bei der AfD! Pass auf, die Merkel….blah…Mittendrin erhob sich B wortlos, um beim Zusammenräumen der Tische und Bänke zu helfen.

Der Prinz und ich saßen jetzt auch mit dem Rücken zu A, weil wir Privates besprachen.

Er versuchte, ein unbefangenes Gespräch mit uns zu beginnen.

„Hatten Sie einen Schlaganfall?“ fragte er mich.

Ich: “Ja.“ (Schlaganfall ist leichter erklärt als Gehirnblutung, dann lassen die Leute mich schneller in Ruhe.)

Er:“Wann war das denn?“

Ich: “2011.“

Er: “Mein Vater hatte einen Schlaganfall!“

Ich: “Aha.“ Dann fragte ich aber doch:

“ War das ein Scherz vorhin?“

Er, erstaunt: “Scherz? Was denn?“

Ich: „Daß Sie Mitglied der AfD sind?“

„Nein!“sagte er energisch und stolz (der arme Idiot), „ Ich bin wirklich in der AfD!“ Seinen Rechtfertigungsversuchen hörte ich gar nicht erst zu. Für so etwas gibt es keine Entschuldigung für mich.

Plötzlich dämmerte es A, daß er sich  selbst isoliert hatte, und versuchte, dem Prinzen zu erklären, warum die Alternative für Dumme so wichtig sei. Der Prinz putzte ihn mit einem kurzen Satz ab. Darauf sagte A scheinheilig-schleimig: “Nun ja, es ist ja in Ordnung, wenn Sie eine andere Meinung haben, das ist ja Ihr Recht“… (Ja nee, is klar, dachte ich, bis ihr das KZ in Osthofen wieder aufmacht, was?)

Dann setzte er zu einer neuen Schimpfkanonade gegen die Kanzlerin an (die ich im Übrigen für eine famose Frau halte), in der er sie mit dem Namen „Raute-Taste“bezeichnete. „Ich lass mich doch von der Raute-Taste nicht verarschen!“ schloß er seinen Sermon (in dem ich übrigens nicht einen einzigen eigenen Gedankengang entdecken konnte – alles hirnbefreit nachgeplapperte Propaganda-Sprüche).

Der Prinz war schon im Gespräch mit dem Kandidaten für den Posten des OB (der zu diesem Frühstück eingeladen hatte), und A merkte, daß er nun mit mir allein am Tisch saß, und versuchte, mehr als nur einsilbige Laute aus mir herauszubekommen. Der Prinz verabschiedete sich und wir fuhren bzw. rolli-ten ohne weitere Worte nach Hause. Der kleine Herr Sonntag freute sich, denn wir hatten wieder den Weg an der Eisbach entlang gewählt, den er sehr gerne läuft. Mir war den ganzen Rückweg etwas übel.

Und nun bin ich neugierig: Wie ist die Alternative für Doofe in eurem Wohnort aufgestellt? Und macht sie euch Angst? Wir hier haben nämlich Nachbarn, die wunderbare willige Bürger für ein Fascho-Regime wären und die ohne Bedenken Nachbarn, die ihnen nicht passen, an die Gestapo ausliefern würden. Und ans nächste KZ. Für eine Uniform, ein schickes Abzeichen oder einen Posten mit wichtigem Titel. So hat das ja schon vor 80 Jahren prima funktioniert.

Falls Ihr in einer Stadt wohnt: Gehen die Clowns da eher unter? Hier auf dem Land fallen sie schon nervig auf, finde ich.

Übrigens: Erdbeer-Buttermilch. Kalt 😀

Von Häusern und Menschen

Mitte Februar, my darlings, hatte ich einige Male über das süße alte Backsteinhäuschen geschrieben, dessen Schicksal nach dem Tod seiner Besitzerin, die Klara hieß (hier im Dorf „Klärchen“), ungewiß war, weil die fünfköpfige Erbengemeinschaft sich nicht einigen konnte, was sie mit dem Haus tun sollten. Kaufinteressenten gab es mehrere (uns eingeschlossen), sie alle hatten aber keinen Erfolg. Im Januar erfuhren wir, daß sie es nun doch einem Familienmitglied überlassen hatten. Der Prinz, der früher lange im Baugewerbe gearbeitet hat, sagte, daß auf dem Grundstück gut fünf Reihenhäuser Platz hätten (das langgezogene Grundstück geht von hier aus einmal durch die Länge des Häuserblocks und endet gegenüber auf der Nordseite direkt neben dem Haus unserer Vermieter).“Wenn der neue Besitzer Geschäftssinn hat“, sagte der Prinz, „dann knallt er fünf Reihenhäuser auf den Platz und verkauft sie.“

Mitte Februar starb das Häuschen dann. Acht Stunden brauchte der Baggerführer, dann war der Platz leer. Die Arbeiter waren von morgens um acht bis nachmittags um vier zugange. Zuerst deckten sie das Dach ab, dann sägten sie die Dachbalken heraus. Der Bagger hatte nun leichtes Spiel. Er legte die Wände einfach um.Einmal fiel eine so hart um, daß hier der Boden wackelte und Micia und das Pippilein erschreckt wegflitzten. Der nächste Tag wurde nochmal laut.Die Arbeiter zerkleinerten das Holz und die Steine, weil das im Bau alles wiederverwendet wird. In Nullkommanix sahen wir beim Abendgang mit dem kleinen Herrn Sonntag, daß neben dem Haus unserer Vermieter schon eine Bodenplatte gegossen war.(Auch dieses künftige Haus, so wie das nun leere Klärchen-Grundstück, war bereits projektiert und wartete auf Käufer. Die waren auch schnell da und haben sich als sehr nette kleine Familie herausgestellt. Wir haben uns einige Male sehr nett unterhalten und der Prinz und ich freuen uns schon, sie bald öfter zu sehen.

Vorgestern hatte ich die Freude, mit dem Besitzer des neuen Nachbarhauses zu sprechen,ein sehr netter junger Mann. Er stammt hier aus der Gegend und kennt unser Dorf sehr gut, er hat hier viele Bekannte und Freunde.(Ich nehme an, er weiß daher auch, wo er sein Haus hin baut und mit welchem Risiko.) Wie auch das Haus an der Nordseite, wird dieses hier ein Fertighaus. Noch in diesem Monat soll es gestellt werden, erzählte er mir. Was mich verblüffte: für den Kran, der die Hauswände vom Transporter holt und aufstellt, mußte er natürlich beim Ordnungsamt eine kurzzeitige Sperrung unseres Straßenteiles beantragen, auf die Länge zweier Häuser. Für die Stadt kein Problem, die Erlaubnis bekam er sofort. Der Kranführer erklärte ihm dann aber erstmal, daß ihm das bißchen Straße nicht genüge, denn er müsse „ganz dicht ran“. So mußte unser neuer Nachbar tatsächlich den Streifen vom Rand der Bodenplatte bis zum Bürgersteig aufschütten und verdichten. Sein Vater half ihm dabei (ebenfalls ein sehr Netter).

Soweit zu den Häusern, nun zu den Menschen 😀

Eine der Töchter unserer Vermieter,T, hat Im Juni ein Baby bekommen, für unsere Vermieter das erste Enkelkind. Entsprechend groß sind Freude und Aufregung.

Interessant und amüsant: Die Nachricht von Ts Schwangerschaft hatte sich natürlich in Windeseile im Dorf verbreitet. Und, faszinierenderweise, gleichzeitig das Gerücht, wir müßten deswegen ausziehen, weil T, ihr Mann und das Baby mehr Platz bräuchten. Tja, da müssen wir leider einige Hoffnungen zunichte machen.Es ist genug Platz da für alle 😉 Eng könnte es erst bei einem weiteren Baby werden, sagte unser Vermieter. In den letzten Wochen sprach uns immer wieder mal jemand aus dem Dorf an:“Ihr müßt raus, hab ich gehört? Was macht ihr denn jetzt?“ Wir erklären dann jedes Mal geduldig, daß wir nicht ausziehen müssen, weil in dem Haus, in dem auch Ts ältere Schwester mit ihrem Lebensmenschen wohnt, reichlich Platz ist. Wir steckten T und ihrem Mann eine Baby-Glückwunschkarte in den Briefkasten. Postwendend schickte sie uns eine Mail mit Babyfoto. Daraufhin begab sich zwischen dem Prinzen und mir folgendes Gespräch:

Ich: „Och, süß, guck mal Schatz – der Kleene hat voll Ähnlichkeit mit seinem Opa!“

Prinz: (guckt mir über die Schulter): Hm. Ja, findest du?“

Ich: „Klar, im Gesicht sieht er ihm voll ähnlich.Findest du nicht?“

Prinz: „Nee. Er hat ja keinen Bart.“

Tüff-täää.