Es gibt mal wieder Neues…

bei Lakritzens:


Ende August ziehen wir um. Nein, leider noch nicht nach Woquard – wir bleiben hier im Dorf und ziehen nur einige Sträßchen weiter. (Ja, genau – das ist mit ein Grund für unsere Aufräumaktion, und wir sind froh, daß Jürgen uns mit seiner Andeutung den nötigen Anschubs dazu gegeben hat!) Warum ziehen wir hier aus? Die ältere Tochter unserer Vermieter hat im letzten Sommer ein Kind bekommen und geheiratet. Bisher teilen sich beide Töchter mit ihren jeweiligen Lebensmenschen den Bungalow, der neben unserem Häuschen steht und der ebenfalls der Familie gehört. Bei einem weiteren Baby könnte es eng werden im Haus, und für diesen Fall hat die jüngere Tochter schon Interesse angemeldet, in das Häuschen zu ziehen, in dem wir derzeit wohnen. Aber ein weiteres Kind sei nicht geplant, versicherte uns Jürgen, also kein Grund zur Sorge. Nun, wir waren lieber vorsichtig und begannen, für alle Fälle mal zu suchen. Das erwies sich als schwierig: Das Haus sollte möglichst ebenerdig und der Vermieter mit Haustieren einverstanden sein. HAHAHAHAHA!!! Entweder hatten die Häuser steile Treppen oder es stand fett dabei: „Haustiere nicht erwünscht“. Oder die Miete war so astronomisch hoch, daß wir gleich aufgaben. Dann hatte der Prinz die Idee, unsere Bekannten im CDU-Ortsverband darum zu bitten, daß die Leute sich umhören und uns Bescheid geben möchten, sobald sie von einem passenden Haus zur Miete hörten. Das klappte: Bei einem Hoffest einer unserer Winzer machte uns jemand mit Gudrun bekannt, die tatsächlich ein Haus hier im Dorf hat, das sie gern vermieten möchte. Wir verabredeten uns mit ihr zu einer Besichtigung. Das Haus gefällt uns sehr! Es liegt in einer Straße, die ruhiger ist als die, in der wir derzeit wohnen. Zudem ist es gedämmt, ich werde also im Winter nicht mehr mit drei Lagen Kleidung am PC sitzen müssen. Gudrun hat hintendran einen kleinen Garten und kein Problem damit, daß unsere Katzendamen da herum marschieren werden. Und sie hat mir von sich aus angeboten, einen Treppenlift einbauen zu lassen! (Als ich Jürgen darum bat, weil die Treppe mir zu steil/gefährlich ist, kollabierte er beinahe 😀 ) Der Hof ist viel kleiner als unser jetziger, aber das stört uns nicht. Bei schönem Wetter draußen essen wird immer möglich sein. Gudrun läßt ihre Küche drin, das freut uns sehr, denn sie paßt gut zu uns. Es gibt eine Eßecke, die ähnlich wie im Lüttje Huus ist, mit schönem Ausblick. Die Eßecke liegt – ohne Türen – zwischen Küche und Wohnzimmer, wie im Lüttje Huus. Wir haben in den letzten Tagen hier schon unendlich viel geräumt und aussortiert, vor allem Bücher (die schicken wir an Momox). Ende August wird es soweit sein. Brudi und seine Frau werden kommen und helfen, ebenso haben Gudrun und ihr Lebensgefährte uns Hilfe versprochen. Ach, das wird wunderbar – für alle! Gudrun hat nun sichere (und ruhige) Mieter für die nächsten Jahre, bis der Prinz in den Ruhestand geht und wir nach Woquard ziehen können. Und wir haben bis dahin eine sichere Unterkunft und eine großzügige Vermieterin. Bis Ende August will der Prinz schon stückchenweise Kisten und Zeugs ins neue Haus bringen, so daß am Umzugstag wirklich nur noch Möbel rübergeschafft werden müssen. Was mir allerdings fehlen wird, ist der große Nadelbaum nebenan, der vor dem Bungalow steht und dem ich jeden Abend vor dem Schlafengehen „Gute Nacht“ sage. Dort habe ich beim Einschlafen nicht mehr den Himmel im Blick, sondern die Wand des Nachbarhauses. Das ist schade. ABER dafür sind alle Nachbarn nett! Wiltrud und Vroni werden mir fehlen,aber wir bleiben ja im Dorf!
Seit dem letzten Samstag wissen unsere Vermieter Bescheid. Der Prinz hatte ein altes Regal mit Stichsäge und Hammer zerlegt. Der Lärm hatte Jürgen in den Hof gelockt. Er wunderte sich, was da alles an Kartons, Kisten und Kram herumstand. Wir weihten ihn also in unsere Pläne ein, und da die Fristen alle mit unserem Mietvertrag übereinstimmen, war es für ihn ok. Sicher, in den 15 Jahren, die wir jetzt hier wohnen, hat sich eine sehr herzliche Beziehung zwischen uns entwickelt und wir werden ganz bestimmt in Kontakt bleiben – ist ja nicht weit, nur ein paar Sträßchen 😉
Aber:der Prinz und ich wären froh, hätten wir den Umzug schon hinter uns! Für Reiki ist dort gut Platz, ich freue mich schon!

Ein Bärchen für’s Bärchen

Am letzten Samstag, ihr Lieben, waren der Prinz und ich mal wieder beim Möbelschweden, weil ich eine kleine Ablage im Bad brauchte. Wir fuhren so, daß wir erst kurz vor Ladenschluß ankamen. Wie ich gehofft hatte, waren deswegen keine fangenspielenden Kinder mehr im Laden. Noch besser: Es waren gar keine Kinder da! Allerdings standen aber noch Sicherheitskräfte vor der Tür, die darauf achteten, daß nur Kunden mit Schutzmaske das Geschäft betraten. Einige Tage vorher hatte ich den Kindern meiner Ergotherapeutin eine Maske abgekauft (Sohnemann hatte die Geschäftsidee und faltet die Stoffstreifen so vor, daß sein Schwesterlein daraus Masken nähen kann…)

So sehr ich den Laden liebe – diesmal war es enttäuschend: Das Restaurant war geschlossen – also keine Mandeltorte für mich 🙁 Und unter der blöden Maske erstickte ich fast. Aber Le Bär sollte ja sein übliches Belohnungs-Stofftier für’s Alleinbleiben bekommen, also wühlten wir uns erstmal da hindurch. „Unser Hund hat ein Luxusproblem!“ lachte der Prinz sich halb kaputt. Denn: …“diese graue Katze hat er schon… den braunen Hund da auch… den Husky-Welpen auch…den Teddy auch… das Schwein auch… Zum Glück fanden wir noch einen Pandabären, den Le Bär noch nicht hat! Das Foto ist übrigens ein lieber Gruß an Schwesti, die Eulen liebt! Le Bär freute sich riesig über den Panda, den er erstmal zwei Tage lang mit sich herumschleppte und der schon „bärchengerecht“ durchgesabbert ist 😀

Eine kleine Vorfreude

haben der Prinz und ich gerade, my dearies: wir freuen uns nämlich auf das überraschte Gesicht unsres Vermieters Jürgen, wenn er den ehemaligen Pferdestall und die frühere Waschküche sieht: leer und sauber! Ein bißchen Zeit brauchen wir aber noch, wir sind gerade noch mittendrin im Ausräumen und -misten. Wir sind schmuddelig vom vielen Staub, aber auch unendlich fasziniert davon, was da alles auftaucht aus den Untiefen alter Kartons und Kisten! Einiges konnten wir nur noch in der Mülltonne entsorgen, leider – aber die Räume sind eben feucht, und das hält nicht jeder Gegenstand durch. Der Prinz ist jetzt gerade zum vierten Mal unterwegs zum Wertstoffhof. Gestern hat er etliche Fahrten zum CarLa ( = Caritas-Laden) gemacht, mit Kleidung, die noch gut in Schuß ist, sowie etlichen Haushaltsgegenständen. Zu meiner Freude kam auch meine lang vermißte Schnorchel-Ausrüstung zum Vorschein – Schnorchel, Brille und Flossen. Aber ich habe mich dann doch (etwas wehmütig) entschieden, sie der Caritas zu geben, denn:
-Wir haben sie bereits 2004 auf Mallorca gekauft und ich hatte seitdem keine Gelegenheit mehr, sie zu nutzen,
-ich muß erstmal wieder schwimmen lernen, um sie nutzen zu können (zumindest Arm und Bein links wieder frei bewegen können),
– sobald ich wieder fit bin, wollen wir sowieso Tauchen lernen,
-ich habe die Schnorchel-Ausrüstung seit 16 Jahren nicht mehr genutzt und das hat mir nicht geschadet. Also, kurz entschlossen: sie soll jemand anderem Freude machen. Ich kann mir jederzeit wieder eine anschaffen.

Dann erscheinen in der früheren Waschküche plötzlich Sedimentgesteine aus meiner Praxis im Schloß: Die Tische und Stühle aus dem Schulungsraum und Wartebereich, ein Mini-Messestand, den man zerlegen und in einem Trolley transportieren kann (Ich hatte ihn für Gesundheits- und Infotage genutzt), ein Sandwich-Werbeständer, ein Werbe-Rollbanner und zu meiner Überraschung noch viele Werbeflyer. Die Flyer und das Rollbanner sind ja adreßtechnisch nicht mehr aktuell und müssen wohl in die Tonne, aber den sandwich-Werbeständer und den Messestand kann ich mühelos umwidmen auf meine neue online-Heilpraktikerschule, prima! Die Teeküche hatte ich damals gleich verkauft; die hatte jemand aus Worms für die Angestellten seiner Firma genommen. Ach… gerahmte Greenpeace-Plakate aus den 80er Jahren, die Schallplattensammlung des Prinzenpapas, Schuhe und Taschen des Prinzen, der in dieser Hinsicht eigentlich ein Mädchen ist 😀 – unfaßbar, was da alles lagerte! Aber das Aufräumen tut echt gut, auch energetisch! Platz machen für Neues, für neue Energien! UND über das Verschenken vieler Dinge an die Caritas machen wir indirekt auch andern Menschen noch Freude mit den Sachen. (Ganz abgesehen davon, daß unser Vermieter sich bestimmt dolle freuen wird, denn er hat ja kürzlich mal ganz nett erwähnt, daß ihm in den Räumen zuviel Krams herumsteht.) So, der Prinz ist von der Caritas zurück, weiter geht’s!

sad news

gibt es,meine Lieben:

Amanda Palmer und Neil Gaiman trennen sich.

Die Nachricht entdeckte ich ausgerechnet, als ich einem Link folgte, den der Prinz mir geschickt hatte (zu einem Bericht über Otto Waalkes!) . Amanda und Neil geben keine Gründe an (geht auch niemanden etwas an), aber es scheint für beide sehr schwer zu sein. Ich finde es traurig und schade, da ich beide sehr mag und mich damals sehr über ihre Heirat und dann über die Geburt ihres Sohnes mitgefreut hatte. Nun, ich wünsche diesen beiden besonderen Menschen viel Glück und daß sich alles noch zum Guten wende (wie immer das für sie persönlich aussehen mag).

Mein Hirn und ich

Kennt ihr das auch, ihr Lieben? Man liegt schön eingekuschelt unter der Bettdecke, will gerade angenehm müde und entspannt in den Schlaf abdriften… da meldet sich das vorlaute Gehirn mit einer Idee oder einem Gedanken – und schon ist man wach und grübelt und überlegt… boah, kann das nerven! Manchmal kommen einem diese Gedanken völlig abstrus vor, so daß man überlegt, wo das nun wieder herkam… Bei mir, habe ich festgestellt, werkelt mein Hirn einfach an Dokus weiter, die wir vor dem Schlafengehen geguckt haben (Danke, Terra X -NICHT!) Kürzlich, zum Beispiel: ich bin warm eingekuschelt zwischen Bettdecke, heißen Körnerkissen und La Pip, die schnurrend neben mir liegt. Ich sehe aus dem Fenster. Die untere Hälfte des Fensters ist ausgefüllt durch das Dach des früheren Kuhstalles, darüber sehe ich den Himmel, der derzeit ein grandioses Sternenpanorama bietet. Ein Stern leuchtet ins Fenster, das freut mich immer so. (Nein, nicht die Venus, die ist um meine Bettgehzeit schon weiter weg gewandert.) Aber gemütlich ist das schon, den leuchtenden Goldpunkt da oben am Nachthimmel zu sehen…

„Jaa-haa!“ sagt mein Hirn da hämisch, „wenn der Stern da ist, wo du ihn gerade siehst! Du weißt ja, daß die Sonne mit ihrer Gravitation den Lichtstrahl ablenkt und der Stern in Wirklichkeit wahrscheinlich ganz woanders ist!“

„Orr, nee, komm, Hirn, lass uns schlafen!“ seufze ich und schließe die Augen.

„Tja“ – sagt Hirn schnippisch, „Wer mußte denn unbedingt den Beitrag über Einstein gucken? Hm?!“

„Is ja gut“ ergebe ich mich,“ab jetzt nur noch leichte Kost vor dem Schlafengehen,ok?“ Ich schließe die Augen, kraule das Pippchen hinterm Ohr und dämmere langsam weg..

*murmelmurmel*

Hä?

*murmelmurmel*

erm…Hirn…? Bist du das?

Psst. Ja, ich versuche, was auszurechnen.. wie war das noch? π·r2, oder?

Im Ernst jetzt?! Du willst mitten in der Nacht eine Kreisfläche ausrechnen? Hast du sie noch alle?!

Ja nee. is gut. Nur, dass die bei der Sendung über das CERN gesagt haben, der LHC sei 27 Kilometer lang, und ich wollte gern wissen, was für einen Durchmesser dieser Ring hat. Hey, Ring -“ ein Ring, sie zu knechten“… hähähä!

Schnauze!!!! Du glaubst nicht im Ernst, daß ich jetzt aufstehe und die Formel für den Kreisdurchmesser raussuche, oder?!

Ääh, neeeiinnnn… nur vergiß nicht, was die nette francokanadische Physikerin erklärt hat, die mit der bunten Bluse, daß nämlich bei E = mc² das c² praktisch die Wechselrate zwischen E und m ist, und der-

Hirn. Wir schlafen jetzt. Heia. Dodo. Bubu. Okay?! OOKAAYY??!! [hier wutschnaubendes emoji einfügen]

Ja. Is ja gut. Nachti.

*grmpf*

„Quarantäne“

Da wechselt die Lakritzefrau mal kurz in den Klugscheißermodus, um das Wort zu erklären, wenn’s recht ist:

Das Wort stammt aus Italien, genauer gesagt, aus Venedig.

Als die Pest in Europa wütete, bemerkten die Venezianer irgendwann, daß mit jedem Schiff, das anlegte, eine neue Erkrankungswelle durch die Stadt ging. So beschloß die Regierung, daß jedes Schiff, das anlegen wollte, erst einmal  40 Tage lang weit draußen vor der Stadt ankern mußte und in deser Zeit niemand das Schiff verlassen durfte.

Ahaa! höre ich jetzt diejenigen unter euch rufen, die Italienisch gelernt haben – und ihr habt es richtig erkannt:

„Vierzig“ heißt auf italienisch „quaranta“. Diese 40-Tage-Methode brachte eine deutliche Besserung und hat sich daher bis heute gehalten. Heute dauert eine Quarantäne unterschiedlich lange, je nach Krankheit und Notwendigkeit, sie ist aber immer noch genauso wirksam und gesund wie damals im Mittelalter.

SWR-Film über den Gnadenhof!

Darlings, der SWR hat in seiner Regionalsendung „Mensch, Leute!“ eine kleine Reportage über Carry Lerch und ihren Gnadenhof gedreht:

Carry und das liebe Vieh

Sicher erinnern sich einige von euch, dass ich vor einigen Jahren, bevor ich die Praxis im Schloss gründete, um Spenden für den Hof bat? Viele von euch haben etwas gespendet, Geld oder Gegenstände wie Pferdeputzzeug, und ich möchte euch dafür noch einmal herzlich danken!

(Bei Minute 29:21 seht ihr rechts  hinter der Eselschnute einen der Unterstände, die Carry dank eurer Hilfe anschaffen konnte. Sie schützen die Pferde und Esel vor Regen und direkter Sonne.)

Der Film stellt Carry (die eigentlich Carolin heißt) vor, ihren Hof, einige der Tiere – und unseren großartigen Tierarzt, den ihr hier als „Highlander“ kennengelernt habt (ihr werdet ihn sofort erkennen, wenn er im Film auftaucht 😉 ).

Der Beitrag dauert knapp 30 Minuten und ich habe ihn schon drei Mal angeschaut… Carry ist einfach ein toller Mensch. Was meint ihr zu der Reportage?

Versauter Urlaub

Die Filmfreundin und ihr Liebster sind in Berlin. Sie hatte kürzlich Geburtstag, die Berlinreise war sein Geschenk für sie. Eigentlich war ein Musical-Besuch geplant, denn sie liebt Musicals. Aber: Absage des Musicals  wegen Corona. Ich fragte vorhin per WhatsApp, ob sie schon den Bundestag besichtigt hätten. Antwort: „Da darf niemand mehr rein. Wir wollten in zwei Cafés und die schließen alle um 16 Uhr. Pubs und Kneipen sind seit gestern Abend dicht. Nur Restaurants dürfen öffnen, mit Sicherheitsabstand von 1,5 m. Ab Samstag waren alle Museen zu.“ So ein Schiet! Die beiden tun mir leid. Da ist man mal in einer Stadt, die kulturell echt etwas zu bieten hat (im Gegensatz zu Worms) – und dann das. WARUM DAS ORANGE DING NEGATIV GETESTET IST, HAB ICH GEFRAGT!

Nachsitzen: Karneval!

Puh! Schon seit über einer Woche sind wir zurück von unserer Karnevalsflucht, ihr Lieben, und so viel ging hier ab, daß ich mal wieder nicht zum Aufschreiben gekommen bin – Therapie-Fortschritte (klein, aber erfreulich), Orthese mal wieder kaputt, Henry der Rolli hat Luftbereifung bekommen, und ich habe eine Sucht nach Quizsendungen entwickelt und verbringe viel Zeit bei Juhtjuhp, hauptsächlich mit „Gefragt-Gejagt“ und „Der Quiz-Champion“.

Jetzt aber mal schnell zu unseren sechs Fluchttagen in Woquard…

…unter Protest zurückgekehrt mal wieder, aber das ist ja nichts Ungewöhnliches, denn bei jedem Aufenthalt in Woquard verlassen wir uns lüttje Huus nur äußerst ungern! Wie wir es uns schon vorher gedacht hatten, war es wieder ein „Indoor-Urlaub“, denn es war sehr kalt, stürmisch und äußerst naß (es regnete fast ohne Unterlaß, über alle sechs Tage hinweg). Die Fahrt war eklig, bei heftigem Regen und Sturmböen, die unseren kleinen tapferen Nissan Note heftig schüttelten, es war etwas unheimlich 😉

Unsere „Ersatz-Mama“ Herta hatte im Erdgeschoß schon die Heizkörper aufgedreht, und das war nötig, denn der eisige Sturm hatte das Huus ganz schön durchgekühlt!  Die Regenfluten hatten zudem den Grundwasserspiegel so erhöht, daß sich ein kleiner See durch einen sehr schmalen Ritz in der Kellerwand gepreßt hatte. Zum Glück ist der Keller nur ein kleiner Raum unterhalb des Hausflur-Bodens, und dort gibt es nichts, das hätte Schaden nehmen können. Herr Beckmann, der Vorbesitzer, hatte dort einige Stapel übriggebliebener Bodenfliesen gebunkert, denen war das Wasser egal. Wir nutzen den Raum derzeit gar nicht. Der Prinz hatte letztens mal einen kleinen Staubsauger gekauft, der auch Wasser aufnehmen kann, damit war das Kellerchen  in kurzer Zeit wieder trocken.

Wie üblich, schauten Herta und Bella vormittags herein. Bella, der kleine Sonnenschein, freute sich wie wild, uns (und vor allem das Bärchen!)  wiederzusehen. Ihr erster Weg führt immer zu seinem Futternapf, da klaut sie ihm etwas von seinem Trockenfutter. Dafür hat Herta immer Leckerli in ihrer Westentasche, die sie unermüdlich an beide Hunde verteilt. Das Wetter blieb kalt, stürmisch und naß. Zum Glück fühlen wir uns im lüttje Huus so wohl und heimisch, daß wir auch gut einige Tage drinnen verbringen können. Herta brachte uns erst einmal dorftechnisch auf den aktuellen Stand: Die Nachbarn gegenüber trennen sich. Das ist vermutlich nur für uns nicht sooo interessant, denn wir kennen die beiden nur vom Sehen und Grüßen, näheren Kontakt hatten wir bisher noch nicht (obwohl sie sehr nett sind, wie alle Menschen hier).

Als Herta aber erwähnte, daß die Frau plane, wegzuziehen, wurde ich hellhörig. Es gelang mir, meine Stimme neutral zu halten, als ich fragte:“ Dann nimmt sie die Kinder wohl mit?“ Es gelang mir ebenfalls, nicht jubelnd auf dem Tisch zu tanzen und eine Magnum-Pulle Sekt im Haus zu verspritzen, als Herta nickte und bestätigte: „Sie zieht zusammen mit den Kindern weg, aber alle14 Tage kommt sie am Wochenende, um ihm im Büro zu helfen“. Info für die, die mich jetzt ganz entsetzt als Kinderhasserin bezeichnen: Ihr habt recht! Ich habe gelernt, Kinder als notwendiges (wenn auch nerviges) Übel zu tolerieren, und schaffe es, mich in ihrer Gegenwart einigermaßen zivil zu verhalten. Diese beiden Kinder, ein Junge und ein Mädchen, beide vorpubertierend, haben mir dies sehr schwer gemacht: extrem verzogen und verwöhnt (warum schaffen es spätgebärende Mütter nicht, ihren Kindern Grenzen zu setzen???), weil, wie das Mädchen mir einmal erklärt hatte, ihre Mutter ihnen gesagt hatte, sie dürften „machen, was wir wollen!“ Und das taten sie auch, jeden verdammten Tag, bis ich dem Irrsinn nahe war und den Kauf des Hauses zu bereuen begann.

Der Prinz versuchte mich zu trösten: “Schatz“, sagte er, bis es soweit ist, daß wir hierherziehen können, wohnen die bestimmt nicht mehr bei ihren Eltern, da studieren die schon irgendwo anders!“

Aber nun hat es das Schicksal doch anders gewendet. Natürlich ist es immer bedauerlich, wenn eine Ehe auseinandergeht, vor allem, wenn Kinder da sind, die ihren Vater ebenfalls lieben und die Mutter nicht bereit ist, den Kindern auch Zeiten mit dem Vater zu gönnen (ich weiß das sehr gut aus eigener Erfahrung.) Deshalb finde ich es prima, daß die beiden gegenüber offenbar eine gute Möglichkeit gefunden haben, sich in Freundschaft zu trennen. Dazu gehört ja auch eine gewisse Größe. Ich jedenfalls bin zutiefst dankbar und erleichtert, daß die beiden Dämonenkinder, wie ich sie immer genannt habe, nicht mehr hier wohnen. Ich wünsche ihnen und ihrer Mutter alles Gute, aber, wie Oma immer sagte: „Geh mit Gott, aber flott!“ Allerdings: Billy, der bildschöne Australian Shepherd der Familie, bleibt hier, bei dem Mann. Das freut vor allem unser Bärchen, denn er verbellt Billy immer sehr erbittert, wenn dieser es wagt, mit seinem Herrchen am Haus vorbeizulaufen.

Die Tage vergingen wunderbar ruhig und wir waren wieder einmal sehr dankbar, daß es bei den Protestanten keinen Karnevalsscheiß gibt. Mein Geburtstag fiel auf den Rosenmontag. Das wäre gar nicht aufgefallen, aber der Prinz mußte mir gleich morgens sagen, daß er kein Café gefunden hatte, in das er mich zum traditionellen Frühstück hätte ausführen können, denn fast alle Cafés haben montags geschlossen! Um diese Zeit sind ja kaum Urlauber in der Gegend, nur Karnevalsflüchter wie wir, so schließen viele Betriebe gleich montags und dienstags. Der Prinz war sehr enttäuscht, denn es war ja mein erster Geburtstag im lüttje Huus.

Allerdings, verriet er mir, habe er kleine Bratwürstchen, Bacon, Eier und weiße Bohnen eingekauft und könne mir somit ein English breakfast anbieten.  Da ich sowieso noch im Schlafanzug war und wenig Lust hatte, mich anzuziehen und in den Regen, den Sturm und die Kälte rauszugehen, freute ich mich natürlich sehr und der Prinz warf gleich den Herd an. Tee haben wir, als gute Bald-Ostfriesen, immer im Haus – und wir stellten fest, daß der gute Tee von Thiele durchaus mit einem English Breakfast Tea mithalten kann.

Auf die Bohnen verzichtete ich. Weiße Bohnen, egal in welcher Größe, schmecken mir nicht, aber der Prinz mag sie. Zudem hatte er sich die Mühe gemacht, die Toastscheiben, statt sie in den Toaster zu stecken, in der Pfanne mit Butter anzurösten, so wie ich es aus England kenne. Die sausages hatte er drumherum drapiert und auf dem Toast lag ein Spiegelei (sunny side up). Da ich Tomaten nicht ausstehen kann, übernahm der Prinz auch diese.

Nach dem Frühstück bekam ich Geschenke, dieses Shirt:

plutoshirt

Ist es nicht super? Wie findet Ihr’s?

Und diese DVDs:

kosmos

Beide Geschenke sind Herzenswünsche! <3

Nachmittags kamen, auf meine Einladung, Herta sowie Edda und Tinus rüber, auf ein Glas Sekt. Herta und Edda verstehen sich gut und mögen einander gut leiden. Herta und Tinus wiederum kennen einander seit Jahrzehnten, sie sind beide im Kirchenvorstand. Die beiden redeten entspannt viel op Platt miteinander. Edda, der Prinz und ich verstehen Platt ganz gut, können es aber zu unserem Bedauern noch nicht sprechen. Aber daran arbeite ich! 😀 Es fühlte sich so wunderbar familiär an, mit den drei Lieben <3 .

Edda fragte, wie alt ich nun eigentlich sei. Als ich sagte „59“, war ihre Antwort: „Ey, da könnte ich ja deine Mama sein!“ „Oh nee, lass mal“, lachte ich, „ich find’s gut, daß du meine Freundin bist!“

Es folgte ein allgemeines Philosophieren über das Alter (Edda und Tinus werden dieses Jahr beide 80, Herta 77). „Wahrscheinlich krieg‘ ich ’n Moralischen, wenn ich 80 werde“, sagte Edda düster, „und sauf mir einen an.“

„Ich nicht“, sagte Tinus fröhlich, „ich fühle mich wie 65!“ Kein Wunder – er ist frisch verheiratet, total verliebt in seine Edda, und er spielt regelmäßig Tennis 😉

Am Abend ging es rüber nach Greetsiel, da führte mich der Prinz zum Essen aus, ins Hohe Haus, das eigentlich ein Hotel ist, in dessen Restaurant man aber sehr lecker essen kann. Es schmeckte wundervoll, wir tranken Jever dazu, und ich hatte fast schon vergessen, was für ein tolles Bier das ist.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich hatte mal wieder einen wundervollen Geburtstag – der nächste ist rund, da möchte ich etwas Besonderes machen, habe aber noch keine Idee. (Im Februar Geburtstag zu haben ist schiet, da kann man draußen nichts veranstalten!)

Am Dienstag und (Ascher)Mittwoch machten wir uns noch eine gemütliche Zeit auf der Couch. Ich hätte mir gern in der Messe das Aschenkreuz geholt, aber das kennt die evangelische Liturgie nicht, wie mir Herta erklärte. Es gibt in Pewsum, also praktisch gleich nebenan, eine katholische Kirche. Die ist sogar ausgeschildert, so selten sind die hier!

Am Mittwochabend mußten wir wieder zurückfahren. „Irgendwann, mein Schatz“, sagt der Prinz dann immer, „irgendwann kommen wir hier an und müssen einfach nie wieder zurück!“ Ich kann es nicht erwarten. Jetzt muß es nur schnell Ostern werden, denn dann geht es wieder zurück in die Ostfriesenheimat!