Stolpersteine in Woquard

Meine Lieben,

als wir über das lange Wochenende Allerheiligen/Reformationstag in Woquard waren, erzählte uns Herta, unsere „Friesenmama“, dass wir in Woquard bald Stolpersteine bekommen sollten. Herta war gerührt und freute sich darüber, denn die Steine sind für das Andenken an  eine jüdische Familie bestimmt: Karoline und Carl Seligmann und ihre beiden Söhne Richard und Julius. Herta hatte die Familie gekannt und miterlebt, wie sie „über Nacht einfach verschwunden waren“, wie sie uns erzählte. (Die Nazis haben sie später in Auschwitz ermordet.) Gestern war es soweit – der Arbeitskreis Stolpersteine Emden ließ die vier Steine am Gemeindehaus in den Boden ein:

stolpersteine

Foto: IG Woquard

Allerdings sind, wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) schreibt, nicht alle Menschen mit den Stolperstein-Aktionen einverstanden: den uneinsichtigen Nörgler, der hobbymäßig grundsätzlich gegen alles ist und der quertreibt, wo es geht, den gibt es überall – in Emden hat ein Rentner einen Stolperstein zweimal wieder ausgegraben.

 

 

Mal wieder selbst in den Fuß geschossen

habe ich mir, meine Lieben. Das kam so: Seit zwei Jahren trage ich ja  diese Orthese am linken Bein und habe mich damit sehr gut arrangiert. Der einzige Unterschied ist, daß meine direkt unterhalb des Knies eine zusätzliche Halterung hat, die das Knie davor schützt, sich nach hinten durchzudrücken. Diese Halterung kann ich mit einem Drehverschluß ( Boa-Verschluß) stramm ziehen. Ende September passierte allerdings etwas Saublödes: beim morgendlichen Anlegen der Orthese gab es einen Knall – und der Knopf des Drehverschlusses schoß durch die Küche. Damit hatte mein Knie keinen Halt mehr und ich konnte kaum laufen. Sofort rief ich beim Orthopädie-Techniker an, aber es war langes Wochenende wegen des 3. Oktober. Er würde erst wieder am Montag darauf in der Werkstatt sein. Wir vereinbarten aber, daß der Prinz, wie wir es schon einmal gemacht hatten, die Orthese hinter der Werkstatt ablegen solle (auf einem Palettenstapel).  Das Wochende über mußte ich allerdings ohne Orthese auskommen. Der Prinz ist, wie sein Vater, ein kreativer Bastler. So kam er auf die Idee, mir Kabelbinder um die Wade zu spannen, natürlich nur über der Orthese und dem Wadenpolster. Es hielt! (Leider ist das Foto nichts geworden.) Den Montag mußte ich dann ohne Orthese auskommen, denn der Prinz nahm sie morgens gleich mit auf den Weg zur Arbeit und legte sie am vereinbarten Punkt ab. Das hieß für mich: Laufen nur im Schneckentempo und unter starken Schmerzen. Aber irgendwie überstand ich den Montag – und am Abend, als der Prinz von der Arbeit kam, hatte er die reparierte Orthese dabei!

In meiner Erleichterung habe ich es nun wohl übertrieben, denn seit einigen Tagen hat sich bei mir eine Fehlhaltung des Beckens eingeschlichen, die zu starken Schmerzen im Lendenbereich führte ( also „Hexenschuß“-Schmerz). Da habe ich wohl, vor allem am vergangenen Wochenende,  viel zuviel Ibu eingenommen. Gestern morgen, als ich auf dem Bettrand saß und versuchte, zu Bewußtsein zu kommen, tropfte mir plötzlich Blut aus der Nase. Zugleich spürte ich: viel zu hoher Blutdruck. Ich sah zu, daß ich nach unten ins Bad kam und versuchte, die Blutung mit kaltem Wasser zu stillen. Das dauerte zwar, gelang aber. Nachmittags ging das aber nochmal los. Seit dem Hallamati nehme ich ein Medikament, das den Blutdruck reguliert. Abends, als der Prinz nach Hause kam, gab er mir etwas davon. Gute Idee – in kurzer Zeit nahm der Druck ab und die Blutung stoppte.

Am letzten  Samstag waren wir im Wormser Einkaufszentrum (ein trauriger Versuch, das Loop 5 in Darmstadt oder die Rheingalerie in Ludwigshafen oder- HAHAHAHAHA! – das CentrO in Oberhausen zu kopieren). Also: eher langweilig und trutschig, aber es gibt meinen liebsten Drogendealer dort: Hussel! Ich nahm gleich zwei Tüten englisches Lakritzkonfekt mit, die ich innerhalb kürzester Zeit vernichtete.

Fazit (to whom it may concern):

  • Ibuprofen treibt den Blutdruck hoch.
  • Lakritz enthält Süßholzextrakt. Dieser wiederum enthält ein Hormon, das die Blutgefäße eng stellt –> erhöht den Butdruck.
  • Beides habe ich am Wochenende in viel zu hohen Dosen genommen -> Blutdruck angestiegen -> Nasenbluten *Augenrollgeräusch*
    Dafür fahren wir aber morgen Abend nach Hogwarts, für einen Kurztrip! Wie immer, hält unser toller Vermieter das Haus im Auge, die Buchhändlerfreundin füttert die Chefin über alles und mein Pippilein <3
    Ich freu mich!
    Da wir ja im Lüttje Huus kein Internet haben (nur über den persönlichen Hotspot im prinzlichen iPad), werde ich  hier wohl erst wieder etwas schreiben, wenn wir zurück sind.
  • Bis da-hann! *winkt* <3

 

 

Gaanz still…

…bin ich jetzt erstmal, meine Lieben, und gespannt wie ein Flitzebogen, denn es sieht so aus, als habe meine Freundin Karma der Voodoopüppchen-Tante „in da hood“ bereits mal vorsichtig auf die Schulter getippt. Aber vorerst verhalte ich mich mal ganz stickum, bis ich mehr weiß. Die dörflichen grapevines werden mich beizeiten in Kenntnis setzen.

Se Unterschied

Wer hier schon länger mitliest, weiß, daß ich unheilbar anglophil und ein ergebener Fan der englischen Königin bin. Kürzlich fiel mir wieder einmal auf, daß ich nicht nur rasend schnell älter werde, sondern sozusagen bereits eine Omma bin 😀 Ich hatte mir bei Juhtjup eine Doku über die inzwischen seit unfaßbaren 70 Jahren anhaltende Ehe zwischen Her Majesty und HRH The Duke of Edinburgh (also Prince Philip) angeschaut. Dazu gab es Filmausschnitte aus Nachrichtensendungen, die Her Majesty  im Laufe der Jahre zusammen mit anderen Staatsoberhäuptern zeigten. Dabei war auch ein sehr kurzer Ausschnitt, in dem sie mit Helmut Kohl sprach, seines Zeichens peinlichster deutscher Politiker ever (abgesehen von den Clowns der NSAfD). Der Kohl-Ausschnitt ist sehr kurz, man hört ihn aber im Hintergrund sprechen, wie er Her Majesty erklärt: „Se Unterschied is in se Bildung.“ Doch, ganz ehrlich! Das ist ein wörtliches Zitat! Die Dolmetscherin schaut da auch etwas verzweifelt drein, übersetzt es dann aber wohl irgendwie. Lustig wurde es, als ich in den Kommentaren zum Video die Frage las: „Stimmt es, dass Kohl kein Englisch konnte?“ Diese Frage schien mir von einem jüngeren Menschen zu kommen, der Kohl nicht mehr live erlebt hat. Das gab mir das „Boah, bin ich alt!“ – Gefühl.
Allerdings kommt in mir, wenn ich „se“ statt „the“ höre, immer so ein „Boah, ich will dich umbringen!“ – Gefühl hoch. Der Prinz weiß das, und wenn er in alberner Stimmung ist und mich ein bißchen foppen will, dann erzählt er mir was auf Englisch, und zwar, indem er alles Wort für Wort übersetzt. Das ist Absicht, und er lacht immer sehr, wenn ich mich dann in Qualen winde, entsetzt „Oh mein Gott!“ flüstere und ihn anflehe: „Bitte, Schatz, sag sowas niemals, wenn Muttersprachler dabei sind – BITTE!“ „Na, mal sehen“, grinst er dann und zieht schonmal den Kopf ein, falls ich mit Gegenständen werfe 😀

Ja, haha

Wenn wir mit dem kleinen Herrn Sonntag unterwegs sind, meine Lieben, kommen wir natürlich auch mit anderen Hunden und ihren Menschen ins Gespräch. Das ist meistens nett und lustig. Oft fragen die Leute: „Wie groß wird der denn mal?“ Sie sind meist  verblüfft, wenn wir sagen, dass der Mausebär schon fast 13 Jahre alt und ausgewachsen ist. Er wirkt halt durch seine schmale Figur (Erbe des Windhund-Vaters) und sein süßes Gesicht (vermutlich dito) sehr jung. Mir graut es nur vor der Frage „Wie heißt er denn?“, weil auf unsere Antwort „Domingo“ unweigerlich die Antwort des Grauens kommt: „Domingo? Wie der Sänger, haha, ne? Der, äh… Nein, flehe ich innerlich, Bittebitte sag es nicht – Sag es nicht! Aber in den meisten Fällen kommt die Folter doch:“ Der Platziehdo Domingo, ne? hehe.“ ja, hehe. Gut, daß der Scherzkeks  nicht meine Gedanken lesen kann und das Blutbad nicht sieht, das ich mit seinem Kadaver gerade anrichte. Im Gegenteil, ich habe gelernt, solche Menschen nicht sofort zu töten. (Sonst hätte ich eine Menge zu tun – bei jedem „Gnotschi“, Zutschini“ oder „Latte Matschiato“ eine Leiche verstecken zu müssen, ist nervig.) Ich atme also tief durch, lächele  und sage freundlich: „Ja, genau, wie der Sänger, der Plácido Domingo.“ Dann sind alle zufrieden – der Sprachenvergewaltiger, weil ich ihm recht gegeben habe (und er den Unterschied nicht mal ansatzweise gehört hat), ich, weil wir jetzt mit einem höflichen Zunicken weitergehen können, und der Prinz, weil ich den Sprachenvergewaltiger nicht getötet habe. Ja – so haben wir alle was davon. Ist ja auch schön, ne? 😀

 

 

 

 

(Fast) ohne Worte

Und schon wieder trampelt der weltgrößte Arsch in meinem Herzensland herum, ist unhöflich zu Her Majesty und auch sonst echt schmerzhaft peinlich (also alles wie immer). Vor seiner Abreise twitterte er noch, der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan sei „a stone cold loser“, weil dieser es gewagt hatte, den tollsten Narzissten der Welt zu kritisieren. Zudem, das ging ja durch die Presse, hatte er Meghan Markle, die Herzogin von Sussex, „nasty“ genannt, weil sie – ja, genau! – ihn kritisiert hatte. Nächsten Monat ist sein letzter Besuch ein Jahr her, und offensichtlich hat immer noch niemand ihm und seiner Malaria erklärt, daß männliche Gäste vor der Königin den Kopf neigen und Frauen  einen (kleinen) Knicks machen. Die arme Melania hat immer noch null Sebstwertgefühl – woher auch, wenn sie in einer Beziehung mit einem Narzissten ist? – und versuchte, sich lieb Kind zu machen, indem sie eine exakte Kopie eines Kleides trug, das Lady Diana Spencer vor einigen Jahren mal anhatte (mir ist Modekiki scheißegal, ich hätte das gar nicht gemerkt, aber ich schmökere ganz gerne mal online im Mirror, da gibt es solche Infos zuhauf 😉 , mir tut Melania einfach nur von Herzen leid (ich hoffe, der Käfig ist ihr wenigstens golden genug.)

Robert Mueller, du hättest dir verdammt mal etwas mehr Mühe geben können – ich hatte große Hoffnungen auf dich gesetzt! 🙁

Frau Lakritze weint mal wieder

…nämlich aus zutiefst empfundenem Mitleid mit Juan Leal, einem 26 Jahre alten Torero.

Der hatte etwas Pech bei einem Stierkampf in Madrid am letzten Montag. Da hat der 500 Kilo schwere Stier „Pedraza de Yeltes“  ihm nämlich  mit Schmackes ein Horn in den Ar*** gerammt, ihn zweimal hochgeschwungen und dann abgestreift wie ein Stück Scheiße, das Leal und seine Kumpels ja sind. Hier ist die Szene zu sehen und ich kann nur sagen: „Vaya, Toro!“ <3  Wenn ich den Text richtig interpretiere, ist  es dem Arschloch wohl  leider noch gelungen, den Stier zu töten, nachdem er ihm vor dem Angriff ein Ohr abgeschnitten und es prahlerisch und selbstverliebt durch die Arena getragen hatte. Wenn alles gut läuft, ist  dem Kerl nicht nur das Kreuzbein gebrochen, sondern der Stoß hat Leal die Gedärme eingerissen. das heißt, der Darminhalt verteilt sich im Bauchraum und infiziert ruckizucki das Bauchfell -> kann tödlich ausgehen. Der Prinz, der es eigentlich mit Tierschutz-Themen  gar nicht so hat, ist ausnahmsweise mal meiner Meinung: „Kein Mitleid – nur ein toter Matador ist ein guter Matador“, sagte er soeben. Ach ja, der Text berichtet auch, daß der linke Oberschenkelmuskel Leals erheblich verletzt sei. Wenn alles gut klappt, wird er nie wieder in einer Stierkampfarena herumlaufen können. Stierkampf,  diese „edle alte Tradition“, wie die Spanier sagen, ist für mich einfach nur sadistische Folter. Auf den Balearen war dieses widerliche Schauspiel 2017 übrigens  kurzzeitig abgeschafft, nachdem die Inselregierung einen erheblichen Rückgang an Urlaubsgästen  registriert hatten, aber das dauerte nur ein Jahr. Inzwischen ist wieder alles beim Alten. „Tradition“, ja klar. Damit reden sich hier ja auch die Jäger raus (und damit, daß sie sich zynisch als „Naturschützer“ bezeichnen.)

Oops…

Hey, my darlings!

Seit elf Tagen habe ich mich hier nicht zu Wort gemeldet. Der Grund: Am vorletzten Montag bin ich mal wieder gestürzt (weil das ja so viel Spaß macht *Augenrollgeräusch*); und diesmal habe ich’s richtig gemacht, mit Besuch der Notaufnahme im Klinikum.

Here goes: Ich hatte am PC zu tun und musste mal zur Toilette. Ging zur Toilette (die erreicht man bei uns nur durch das Büro, weil die früheren Hausbesitzer sie erst in den 70er Jahren an das Haus angebaut haben) und dann erinnere ich mich nur noch daran, daß ich nach links/hinten wegkippte und heftig mit Ellbogen, Schulter und Kopf am Schreibtisch anschlug. Da ich am Bein noch die Orthese trug, war ich nicht sehr beweglich. Außerdem hätte ich eh nicht aufstehen können, weil ich in einer Pfütze aus Milchkaffee lag und das den Fliesenboden rutschig machte.  Als ich mich aufsetzte, klirrte etwas und ich sah, daß an meinem rechten Bein Bruchstücke meiner Lieblings-Uli-Stein-Kaffeetasse! AAAARGH!!! lagen, deren Bruchkanten sehr scharf aussahen. Es war – ausgerechnet! –  die schwarze Tasse mit der frechen Maus drauf, die selten ist und die man nur noch mit Glück bekommt.

[Erzähler: Sie hat sie bei Ebay nochmal gefunden.]

Beim Versuch, die Splitter beiseite zu legen, holte ich mir einen saftigen Schnitt am rechten Mittelfinger, der wie die Sau blutete. Da saß ich nun wie Ölleken Doof auf dem Boden zwischen der Toilettentür und meinem Schreibtisch und wußte nicht weiter. Der kleine Herr Sonntag hat unter jedem unserer beiden Schreibtische ein Schlafnest. Ich zog eine seiner Millionen Kuscheldecken heraus und versuchte, darauf in die Küche zu rutschen (muß ein genial lustiger Anblick gewesen sein). Der kleine Herr Sonntag war draußen im Hof und war sehr beunruhigt. Er schlug mit der Pfote gegen die Glastür und jaulte und bellte. Der Bär war richtig panisch, er wußte, daß da was passiert war.

Zum Glück sah ich, daß mein Hänti auf der Schreibtischkante lag. Ich konnte es mit der rechten Hand erreichen. Griff es mir und rief unsere Vermieter an. Kurz erklärte ich Jürgen, was passiert war und daß ich nicht mehr aufstehen könne. „Bin sofort da“, sagte Jürgen. Ich zog mühsam die Orthese aus, damit sie nicht störte. Schon hörte ich das Klappen der Scheunentür und Jürgens Stimme. Das Bärchen drängte sich neben Jürgen durch die Haustür und rannte sofort zu mir, sehr besorgt. Ich bat Jürgen, sich hinter mich zu stellen, mich unter den Achseln zu greifen und mich hochzuhieven. Das klappte super, und sobald ich stand, kam schon Marika herein, sie war etwas erschreckt und sehr besorgt. Sie stützte mich und ging langsam mit mir rüber in die Küche. Erleichtert ließ ich mich auf meinen Stuhl plumpsen und trank auf den Schrecken erstmal eine halbe Flasche Mineralwasser. Marika machte Küchenpapier naß und wusch mir das Blut von der Hand. Jürgen entfernte in der Zeit das Blut vom Türrahmen an der Pipibox und räumte die Sachen auf, die ich wohl im Fallen von der Kommode heruntergerissen hatte. Ich versuchte mich zu erinnern, warum ich die schwarze Maus-Tasse in der Hand gehalten hatte, aber genau diese Sekunden vor dem Sturz waren weg (sind sie immer noch. Ich nehme an, daß ich die Tasse ausspülen wollte, weil noch Kaffee darin war.)

„Da hast du ja noch mehr Blut!“ sagte Marika besorgt, hielt ein Küchentuch unter kaltes Wasser und wischte mir an der linken Schläfe herum. Ja, da war ziemlich viel Blut. Als das aufhörte zu tröpfeln, bereitete mir Marika ein Schinken-Käse-Sandwich mit dem Sandwich-Toaster zu, damit ich wieder auf die Beine käme. Es tat wirklich gut, etwas Kräftiges zu essen. Ich rief den Prinzen an, um ihn vorzuwarnen. Er saß bereits im Zug. Meine beiden rettenden Engel vergewisserten sich -zig Mal, ob sie mich wirklich allein lassen könnten, dann gingen sie zögernd wieder rüber. Kurz darauf war der Prinz da. Mein linker Ellbogen tat höllisch weh (ich war da wohl draufgefallen.) Da unser Hausarzt auch Notfallarzt ist, überlegten wir, erstmal dorthin zu fahren statt in die Notaufnahme, so rief der Prinz in seiner Praxis an. Der Doc schickte uns aber doch gleich ins Krankenhaus, weil, wie er sagte, mein Arm sowieso geröntgt werden müsse. In der Notaufnahme waren alle sehr nett. Wir hatten mit vielen Patienten gerechnet, aber alle Wartebereiche waren leer. Der sehr nette diensthabende Arzt schickte mich zum Röntgen des Ellbogens. Die Rö-Assistentin hatte etwas Probleme, weil ich den Arm nicht mehr mit der Handinnenfläche nach oben drehen kann, seit die Platte daran verschraubt ist (wegen des gebrochenen Handgelenks durch den Sturz an Weihnachten 2014).

Dennoch schaffte sie ein gestochen scharfes Foto, wie wir danach beim Arzt auf dessen PC sahen. Ellbogen völlig ok, sah ich erleichtert, aber der Arzt wollte sich die Platzwunde an meiner linken Schläfe näher ansehen. Er zeigte mir ein Plastiktütchen mit etwas, das aussah wie die Kanüle einer Spritze (aber aus Kunststoff), nur ohne Kolben. „Fibrinkleber, exklusiv für Sie“, grinste er. Er bat seinen Kollegen, sich neben mich zu setzen und mich, meinen Kopf auf die kollegiale Schulter zu legen. So bearbeitete er in Ruhe die Wunde. Zum Glück spürte ich das gar nicht. „UHU flinke Flasche“ nannte der Prinz das später, als ich ihn fragte, was genau der Arzt da getan hatte.

wunde

 

Dann erklärte der Arzt  mir, ich müsse nicht im Krankenhaus bleiben. „Obwohl , wenn Sie sich dann sicherer fühlen, kann ich das für Sie möglich machen“, sagte er, und mir dämmert erst jetzt, daß er möglicherweise glaubte, der Prinz sei gegen mich gewalttätig geworden, zumal mein linkes Auge langsam schöne bunte Farbtöne annahm, und dass mein „Hinfallen“ zu Hause eine der typischen Ausreden sei, wenn Männer zu Hause übergriffig werden. (Buchtipp hier: Roddy  Doyle: “The Woman Who Walked Into Doors“) Ich beruhigte ihn mit der Auskunft, der Prinz habe mir für den Abend bereits Pizza versprochen. Der Prinz darauf: „Was? Wann?“ (Arzt: *grins*) Die Frage des Arztes, ob ich Schmerzmittel brauche, beantwortete ich mit der Wahrheit: „Danke, ich bin voll Ibu-gedopt.“ (Ich hatte gut 1600 Milligramm intus.)

Als wir zu Hause einliefen, war das Bärchen ungeheuer erleichtert und wich uns nicht von der Seite. Er suchte meine rechte Hand, an der ich mich geschnitten hatte, und prüfte, ob er da noch mehr Blut ablecken müsse. Ich verschwand so schnell wie möglich im Bett, diesmal mit Baldrian gedopt. Ich halte große Stücke auf Baldrian, mir hilft er sehr gut beim Einschlafen.

Wie erwartet, schlief ich tief und fest auf den Schrecken. Ich erwachte schmerzfrei und ging den Tag ruhig und entspannt an. Hubert, mein Physiotherapeut, massierte mir in der nächsten Physio-Einheit den Bizeps und den Trizeps, die ich mir beide heftig gezerrt hatte und die bretthart waren. Das tat sauweh.

Arm

 

Tja, und seitdem habe ich mich hier nicht mehr gemeldet – ich hatte keine Lust, zu kommunizieren, ich wollte nur schlafen und alleine sein und es still haben. Offenbar war das Ganze doch ein ganz schöner Schock für mein System gewesen. Jetzt geht es mir wieder gut (Schlaf und Stille sind die beste Medizin für mich) – ich habe gestern Nachmittag den ersten Amarenabecher des Jahres gegessen, mit drei Frauen hier aus dem Dorf: der Kollegin des Prinzen, der Filmfreundin, und einer tollen Frau aus dem Ortsbeirat der CDU.  Esther und Alessio freuten sich sehr. Sie haben herrliche neue Eissorten, darunter „Whisky-Crème“ – sehr lecker! Jetzt warte ich nur noch auf unseren kleinen Oster-Urlaub im Lüttje Huus \o/.

Und die tolle Uli Stein -Kaffeetasse habe ich tatsächlich nochmals bei Ebay gefunden – funkelnagelneu, noch in ihrer Original-Schachtel, dabei kam sie schon 1995 raus!

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(Foto: D.Richter)

Mir geht es wieder sehr gut. Nur der Filmriß stört mich, mir fehlen die Sekunden zwischen dem Verlassen der Toilette und dem Sturz. Keine Ahnung, warum ich die Maustasse in der Hand hatte… Auf dem Klo trinke ich bestimmt keinen Kaffee 😀 Na, die Sache ist überstanden, was soll’s also…

Ich wünsche euch noch eine schöne Restwoche, dearies!