Und immer noch das Häuschen…

Gestern Abend hatte ich eine liebevolle Überraschung: Es klopfte ans Wohnzimmerfenster. Draußen stand Edith, die mir immer wieder hausgemachte Marmeladen und Gelees bringt. Sie gehört zu der fünfköpfigen Erbengemeinschaft des süßen kleinen Nachbarhäuschens.

„Wir räumen gerade noch einige Sachen aus Klaras Haus“, erklärte sie mir.

„In der Speisekammer gibt es noch verschiedene Marmeladen, die hat sie ja so gerne gekocht. Magst du die haben?“

„Klar, gerne“, sagte ich, erfreut und gerührt zugleich. In diesem Moment kam C. mit ihrem Fahrrad angedüst, auf dessen Gepäckträger es klapperte und klirrte. Sie hatte zwei flache Kisten voller Gläser geladen, alles Klärchen-Marmelade! Die konnte ich allerdings einhändig nicht so einfach durch das Fenster annehmen, wie ich es mit DHL- Sendungen mache. So drückte ich C. den Schlüssel zum Hoftor in die Hand und sie stellte mir die Gläser auf den kleinen Tisch im Hof. Das wird ein leckeres Frühstück am Wochenende!

Ja… und nun ist es soweit…

…dem Häuschen nebenan geht es an den Kragen. Gegen Mittag kreischte schon die Kettensäge drüben.  Neugierig bin ich ja doch, so  schaute ich aus dem Fenster und sah gleich, daß der wunderschöne Weißdorn vor dem Haus (den ich mit einem Schwarzdorn verwechselt hatte) in Stücke gesägt auf dem Bürgersteig lag. Ich bin eine Pflanzentante und kann es nicht gut aushalten, wenn Bäume gefällt werden. Aber das hilft nun nichts, denn das Paar, das das Haus gekauft hat, will wohl komplett  tabula rasa machen. Gerade kamen Edith und C. vorbeigeradelt und wir hielten ein Schwätzchen. Ich: so richtig wie ‚ne Rentnerin, im Fenster ? ) Edith und ich erörterten, wie lange es wohl bis zur ersten (anonymen) Anzeige wegen der Geräusche dauern werde, da lachte C. und sagte: „Ach, ich hatte schon einen Anruf, daß die Bäume stehenbleiben sollen.“

(sensible Nachbarn, die für die Privatsphäre anderer Leute das Feingefühl eines Betonpfeilers haben und Fremde mit Befehlen rumkommandieren: WIN. (not!). Wir drei Mädels machten noch schnell was zum Kaffee und Kuchen aus und verabschiedeten uns lachend. Wie gesagt: Ich werde das Häuschen vermissen. *schnüff*

(Das Entsetzen der Bäume, die gerade miterleben, wie der Weißdorn und weitere Bäume gefällt und in den Häcksler geworfen werden, ist für mich so deutlich spürbar, daß ich heute dem Fenster fernbleiben und mich mit Fernsehen betäuben werde (Ja, Bäume können kommunizieren. Und ja, ich kann sie verstehen. Ja, ich weiß, wie das klingt. Liebevolles Zitat meiner weisen, liebevollen Mutter: „Du hast dich ja immer schon so in alles reingesteigert.“ Lieber das  als narzisstisch!).

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One thought on “Und immer noch das Häuschen…

  1. Hast du kein Foto gemacht vom Häuschen? ?
    Wenn Bäume gefällt werden, muss ich weg. Es schmerzt mich fast körperlich. ? Und dass die neuen Besitzer alles weg haben wollen finde ich sooo unromantisch und… nicht grad sehr sympathisch ?.

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