Petras Fragen # 15

der Pfalz Schon vor einer Woche, am 17. September, fragte Petra:

Was ist für dich Heimat?

Spontan kamen mir in den Kopf: der Ruhrpott, Mallorca, England, Friesland… Aber dann fühlte ich in mich hinein und war in Gedanken (und Gefühlen) sofort hier:

Küche

Meine Heimat, das einzige wirkliche Zuhause,das ich je hatte, in dem ich geborgen war und jederzeit bedingungslos genau so geliebt wurde, wie ich war, das war dieser Raum: Omas Küche.

Auf diesem Foto bin ich schätzungsweise 23 Jahre alt, wohnte bereits mit dem Ex (damals noch nicht Gatte) in der Pfalz und war auf einem Besuch “in der alten Heimat“, wie Opa das nannte. Der Junge auf meinem Schoß ist mein Patensohn Christoph, der damals wohl etwa fünf oder sechs war. Inzwischen ist der Bengel 39 Jahre alt, fertiger Astrophysiker, verheiratet und seit einigen Monaten selbst Vater eines Sohnes. ( #ichwerdealt). Gegessen haben wir bei Oma immer in der Küche, nur an Festtagen oder bei Familienfeiern gingen wir dazu „nach vorne“, wie Oma das Wohnzimmer nannte. Da deckte sie dann feierlich den Tisch mit dem guten Geschirr. Die Tischplatte des Couchtisches konnte man hochkurbeln (kennt ihr sicher noch?). In meiner Kindheit bullerte in der Küche noch ein Kohleofen, auf dem Oma auch kochte. Er wärmte den Raum wunderbar, im Winter drückten wir uns gern an den Kamin, der so schön warm war. An die Heizkörper, die die Wohnungsgenossenschaft später einbaute, habe ich mich nie richtig gewöhnt. Später, als ich hier  in der Pfalz wohnte, besuchte ich Oma und Opa, so oft es möglich war. Der Ex fuhr uns erst nach Duisburg, wo seine Mutter lebte, dann setzte er mich bei meinen Großeltern ab – ungern, denn als echter Narzisst nahm er ihnen insgeheim übel, daß sie so viel Liebe und Aufmerksamkeit von mir erhielten. (Er war immer eifersüchtig auf sie, heute sehe ich das im Nachhinein.) Zurück in die Küche:

Der Stuhl, auf dem ich auf dem Foto sitze, war mein „Stammplatz“, rechts von mir, an der Kopfseite, saß Opa, mir gegenüber war Omas fester Platz. Hinter ihr stand der Herd (ein Gasherd, der dem Kohleofen gefolgt war). Oma war es wichtig, daß sie von ihrem Platz aus jederzeit an die Töpfe heran konnte, denn wie eine echte Mutter (die sie für mich und meine Geschwister war) war es für sie das Wichtigste, ihre Familie zu füttern. Opa hatte zum Glück immer einige Püllekes „Underberg“ im Schrank, denn ich war oft bis zum Platzen abgefüllt nach dem Mittagessen und konnte mich kaum rühren, dann brauchte ich den!… zumal Oma immer vorher fragte, was sie denn kochen solle, und ich wünschte mir meist: Wirsing in Milchsoße, mit Frikadellen. Vorher gab es meistens (bei Familienfeiern immer!) Omas unübertreffliche Hühnersuppe, mit selbstgemachten Markklößchen drin – und Sternchennudeln aus der blauweißen Schüttpackung von Birkel! Auf dem Foto steht der Tisch da, wo er mein Leben lang stand, und genau so. Der Tisch auf dem Foto ist der Nachfolger eines Holztisches, auf dem ich auch gewickelt wurde. Das früheste Foto dieser Küche, das ich besitze, ist das hier. Passend zu dem Schrank stellt euch den früheren Tisch vor. Leider gibt es den Schrank nicht mehr, Opa hatte ihn, als die modernen Hängeschränke kamen, als Werkzeugschrank in den Keller gestellt. Als die beiden 2008 starben, hatte ich leider keine Gelegenheit mehr, mir noch Andenken aus der Wohnung mitzunehmen, es war schnell alles „abgegrast“ und der Rest landete lieblos und gleichgültig in einem Müllcontainer (das tut mir heute noch weh).

Heimat also: Das ist für mich kein Land, keine Region, keine Stadt. Es ist ein Zimmer: Omas Küche. Ein Raum, der mir bis heute allein bei der Erinnerung daran noch ein Gefühl des Geliebt seins, der Geborgenheit gibt. Diese Küche war mein wahres Zuhause. Meine Heimat.

 

 

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